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  5. "Arbeiterkind" in der Großkanzlei
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"Arbeiterkind" in der Großkanzlei
Die Spitze der Sozialkompetenz
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Themen: 2
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#18
29.06.2022, 16:43
(29.06.2022, 16:34)Gast schrieb:  
(29.06.2022, 16:13)Die Spitze der Sozialkompetenz schrieb:  
(29.06.2022, 14:43)Gast schrieb:  Du hast völlig Recht: Die soziale Herkunft ist der blinde Fleck der Diversity-Bemühungen.
Ich kann deinen Unmut insofern sehr gut verstehen. Für einen Bildungsaufsteiger wird es erst recht schwierig, wenn andere Diversity-Kriterien zu Karrierevorteilen führen. Zumal es eine meist unausgesprochene Wahrheit ist, dass die soziale Herkunft eine weit größere Hürde ist als das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung. Wenn der Druck auf die Kanzleien steigt, die Partnerinnenquote zu erfüllen, wird es für Bildungsaufsteiger also eher schlechter statt besser. Dass die Posten dann an weibliche Bildungsaufsteigerinnen gehen, halte ich für unwahrscheinlich.

Was kann man tun?
Zunächst einmal würde ich das Thema nicht im Bewerbungsverfahren ansprechen. Das Nadelöhr der Großkanzleikarriere ist sowieso nicht der Berufseinstieg.
Wenn du erst einmal in der Kanzlei bist, würde ich mich proaktiv zu diesem Thema positionieren. Das schafft zum einen ein Bewusstsein innerhalb der Kanzlei für dieses Diversitätsmerkmal. Zum anderen ist es eine Form des Selbstmarketings, das in den Zeitgeist passt. Die meisten Kanzleien dürften ein solches Engagement zu schätzen wissen (vgl. zu alldem auch den Vorposter).


(29.06.2022, 14:02)Die Spitze der Sozialkompetenz schrieb:  Wieso genau sollte der Hintergrund relevant sein?
Der GK-Partner wird dich wohl kaum fragen, ob deine Vorfahren Aristokraten waren.

Die Kontakte, die dir wirklich etwas bringen werden hängen zwar mit dem Bildungsbürgertum zusammen, sind jedoch rar gesät.
Das sind meistens Juristen, die dir mit Vitamin B weiterhelfen können, das betrifft ja nur die wenigstens Akademikerkinder.
Und selbst da: Was soll dieser eine Kontakt auch bringen? Man muss ja trotzdem liefern.
Es geht um weit mehr als Kontakte. Nahezu alle Argumente für die Frauenförderung treffen auch bei Bildungsaufsteigern zu. Allein das Problem der Erziehungszeiten besteht nicht. Der Rest kann aber sogar in stärkerem Maß zutreffen. Oder wie viele Partner gibt es, die in Duisburger Plattenbauten oder in ostdeutschen Dörfern aufgewachsen sind? Wer beklagt, dass es zu wenig Partnerinnen als Vorbilder gibt, kann die Probleme der Bildungsaufsteiger nicht zugleich auf fehlende Kontakte reduzieren.


Wie viele Partner nicht aus einem Akademikerhaushalt kommen ist für den Threadersteller aber nicht von Relevanz.
Es wird wohl stimmen, dass die meisten Partner aus einem Akademikerhaushalt kommen.
Weil es Nicht-Akademikerkinder weitaus schwerer haben zu studieren und gut im Studium zu sein, insbesondere Jura.

Der Threadersteller hat es aber schon in die GK geschafft. Die soziale Herkunft ist dann auch statistisch nicht mehr relevant.
Das stimmt einfach nicht. Wie gesagt: Das Nadelöhr der Kanzleikarriere ist nicht der Einstieg, sondern der Aufstieg, d.h. der Partnerschaft. Gerade bei der Partnerwahl ist der Habitus der zur Wahl stehenden Kandidaten bedeutsam. Dabei geht es nämlich nicht um den derzeitigen Umsatz, sondern um die Prognose, ob der Kandidat in der Zukunft entsprechende Umsatzzahlen erreichen wird. Wenn Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund dabei unter dem als unconscious bias bekannten Phänomen leiden, fällt mir kein Argument ein, warum das bei Bildungsaufsteigern nicht ähnlich der Fall ist.

Wie oben ein anderer User schon gesagt hat: Die Relevanz der sozialen Herkunft für die Top-Karrieren ist gut belegt.

Weil du den Bildungshintergrund den Anwälten und Anwältinnen im wahrsten Sinne des Wortes nicht ansehen kannst?
Woher soll man das auch wissen? Gerade Mandanten. Und auf deren Wahrnehmung kommt es ja entschieden an.

Ich kann mir nicht vorstellen dass in der Partner- oder Sozietätsratssitzung eine Partnerernennung eines Rainmakers abgelehnt wird, nur weil seine Eltern keine Akademiker sind. Geld regiert alles und bei Frauen und offenkundigem Migrationshintergrund kann man immerhin noch davon ausgehen, dass das bei der Partnerernennung wegen möglicherweise schwerfälligerer Akquise relevant wird (bei Frauen auch Schwangerschaften und Kinder, Schwangerschaften wegen des Alters eher weniger).
Aber Bildungshintergrund? Halte ich für fernliegend.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 29.06.2022, 16:45 von Die Spitze der Sozialkompetenz.)
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"Arbeiterkind" in der Großkanzlei - von Genosse123 - 29.06.2022, 13:58
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