10.06.2022, 00:59
(09.06.2022, 19:55)whoiselijah schrieb: Sehr berechtigte Frage. Unterstellt, M&A/PE ist tatsächlich der Fachbereich deiner Wahl und du möchtest an einem der Standorte arbeiten, an denen die US-Kanzleien vertreten sind, gibt es wirklich nicht viele Gründe, warum man nicht dort arbeiten sollte (sofern man die Leute dort auch sympathisch findet).Alles richtig. Noch ein paar Punkte:
Ein maßgeblicher Grund wäre für mich der Unterschied in den Arbeitszeiten sowie die Anforderungen an ständige Erreichbarkeit. Versteh mich nicht falsch, im M&A/PE arbeitest du auch bei T1-Kanzleien wie Freshfields und Hengeler sicherlich mehr als genug. Dennoch glaube ich, dass bei den US-Kanzleien nochmal eine Schippe oben drauf kommt und zwar insbesondere was die Wochenendarbeit sowie die ständige Erreichbarkeit anbelangt. Zumindest aus meiner Erfahrung, haben bei deutschen und britischen Kanzleien Wochenende und Urlaub noch einen gewissen Stellenwert – die Hemmschwelle bei US-Buden liegt da tendenziell deutlich niedriger (wobei auch das Team/Parter-abhängig ist).
Ob dieser mehr oder weniger geringfügige Unterschied in den Arbeitszeiten durch das deutlich höhere Gehalt (insbesondere ab dem 5./6. Jahr kann das ein Unterschied von 100k sein) kompensiert wird, muss jeder für sich selbst entscheiden. Man merkt gerade vor allem im Londoner Kanzleimarkt wie die MC-Kanzleien gegen ihre amerikanische Konkurrenz ankämpfen, da vor allem sehr viele Midlevel-Associates sowie Partner gerade zu den Amis wechseln.
1. Die Mandanten von US-Kanzleien sind typischerweise andere als von Hengeler und Linklaters. Letztere sind häufig an der Seite der Dax-Unternehmen zu sehen. Das heißt nicht, dass man bei Linklaters keine US-Mandanten beraten kann oder dass US-Kanzleien keine deutschen Mandanten haben (vgl nur S&C). Wohl aber ist eine Tendenz zu beobachten.
2. Die europäischen T1-Corporate-Kanzleien sind personell und inhaltlich deutlich breiter aufgestellt. Wer eine breite Ausbildung will, bekommt diese eher dort und nicht bei den US-Transaktionskanzleien.
3. Wer Partner werden will, hat nach meinem Eindruck bei Hengeler, Freshfields und Co bessere Karten als bei den Amis. Bei US-Kanzleien (Ausnahme Kirkland) ist selbst die Salary-Partnerschaft kaum erreichbar. Da ernennen die europäischen Kanzleien deutlich häufiger Partner und Counsel. Bevor der Einwand kommt: Ja, gemessen an den jährlichen Neueinstellungen sind drei Partner und acht Counsel nicht viel (Linklaters 2022). Allerdings wollen viele Berufseinsteiger gar nicht langfristig in der Kanzlei bleiben. Bei einer Jahrgangsgröße von 50 sind ca 10 Partner/Counsel kein schlechter Schnitt.
Mit Blick auf den ungewöhnlich kurzen Partnertrack bei Hengeler relativiert sich übrigens die Gehaltsdifferenz zu US-Associates.
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Verlockungen der Transaktionsbuden - von Rummelsburg - 09.06.2022, 19:33
RE: Verlockungen der Transaktionsbuden - von BebrillterMaulwurf - 09.06.2022, 19:45
RE: Verlockungen der Transaktionsbuden - von whoiselijah - 09.06.2022, 19:55
RE: Verlockungen der Transaktionsbuden - von Gast - 10.06.2022, 00:59
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RE: Verlockungen der Transaktionsbuden - von Joko - 10.06.2022, 19:58
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RE: Verlockungen der Transaktionsbuden - von omnimodo - 10.06.2022, 21:22
RE: Verlockungen der Transaktionsbuden - von Gast - 11.06.2022, 19:14
RE: Verlockungen der Transaktionsbuden - von Gast - 11.06.2022, 19:57
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