Gestern, 10:54
Hallo zusammen, ist hier jemand Syndikusrechtsanwalt, Legal Counsel bzw Inhouse lawyer bei einem großen Unternehmen? Wie gefällt es euch dort? Was sind eure Erfahrungen? Wie ist der Arbeitsalltag?
Gestern, 11:31
(Gestern, 10:54)Graubrot schrieb: Hallo zusammen, ist hier jemand Syndikusrechtsanwalt, Legal Counsel bzw Inhouse lawyer bei einem großen Unternehmen? Wie gefällt es euch dort? Was sind eure Erfahrungen? Wie ist der Arbeitsalltag?
Definiere groß. Bin Syndikus/Legal Counsel bei einem mittelständischem, international tätigem Unternehmen mit ~1.000 MA.
Wie gefällt es euch dort?
Die Tätigkeit als Syndikus finde ich nach wie vor spannend, allerdings stören mich persönlich einige Dinge die mit der Kultur/Struktur dieses Unternehmens zusammenhängen, beispielsweise das Standing der Rechtsabteilung im Unternehmen, Kommunikation, Aufgaben... Leider habe ich das auch von einigen Bekannten mitbekommen, die bei anderen Unternehmen arbeiten. Also wirklich "gute" Firmen sind rar geworden und in der Zeit wo es der Wirtschaft schlecht geht, eben auch die entsprechenden Stellen umkämpft.
Wie ist der Arbeitsalltag?
An sich abwechslungsreich. Man weiß oftmals nicht was einen diese Woche neues erwartet. Bei uns gibt es aber leider einen großen Teil laufendes Geschäft, sprich Vertragsprüfungen, NDA's, usw. Das nimmt nahezu den meisten Teil meiner Arbeitszeit ein, gepaart mit Anrufen von Kollegen die schnelle kurze Rückfragen haben.. Ansonsten Überarbeitung der Vertragsmuster, Markenanmeldungen, Gesellschaftsrechtliches House Keeping, Datenschutz, EU-Verordnungen..
Insgesamt sind die Aufgaben bei uns strikt getrennt von dem "Head of Legal" welcher mehr strategisch arbeitet und berät, die Verfahren betreut usw. Das ist ein Punkt der mich auch stört, liegt aber vermutlich daran, dass ich eben vorher nicht X Jahre in einer Kanzlei war, dann steigt man leider doch "tiefer" ein als mit einigen Jahren BE und einer direkten Leitungsposition wie General Counsel oder Head of Legal.
Da ich mich mehr in der Beratung sehe werde ich auch mittelfristig den Job wechseln um mich weiter entwickeln zu können :)
Positiv ist auf jeden Fall die flexible Arbeitszeit mit 40h Gleitzeit und Überstundenerfassung. Das haben viele Anwälte bei vergleichbarem oder weniger Gehalt oftmals nicht. Auch ist die Arbeitsleistung ist nur schwer zu überprüfen. Manche Anfragen dauern eben länger als andere. Sprich wenn du mal einen Tag nix machst und nicht direkt die GF involviert ist, würde das theoretisch kaum auffallen :D
Gestern, 11:54
Ich bin seit knapp 5 Jahren Syndikus, direkt nach dem Ref eingestiegen. 4 Jahre in einem öffentlichen Konzern der Gesundheitsbranche und nun knapp vor Ende der Probezeit in einem privatwirtschaftlichen Konzern der Gesundheitsbranche, jeweils 13.000-14.000 Mitarbeiter.
Die Tätigkeiten sind halbwegs vergleichbar, Vertragserstellungen und -prüfungen, interne Anfragen, die für mich als Generalist aus jedem Bereich außer Arbeitsrecht kommen. Markenprüfungen, Marketingprüfungen, Vergaberecht, Datenschutz, es gibt quasi keinen Bereich, der nicht mal vorkommt.
Von daher finde ich persönlich es spannend und sehr abwechslungsreich. Unschlagbar sind natürlich Gehalt und Arbeitszeiten, ich hab bisher nie länger als 17, 18 Uhr gearbeitet. Und dies bei einem Gehalt von hohem mittleren 5 stelligen und nun 6 stellingen Gehalt. Man muss nicht für den Mandanten springen und hat viel Gestaltungsspielraum.
Was stimmt ist das Standing der RA, die in beiden Unternehmen eher als Blockierer gesehen wird, was den Umgang mit manchen Stakeholdern etwas schwierig macht. Für mich aber dennoch aufgrund der Gesamtumstände unschlagbar.
Die Tätigkeiten sind halbwegs vergleichbar, Vertragserstellungen und -prüfungen, interne Anfragen, die für mich als Generalist aus jedem Bereich außer Arbeitsrecht kommen. Markenprüfungen, Marketingprüfungen, Vergaberecht, Datenschutz, es gibt quasi keinen Bereich, der nicht mal vorkommt.
Von daher finde ich persönlich es spannend und sehr abwechslungsreich. Unschlagbar sind natürlich Gehalt und Arbeitszeiten, ich hab bisher nie länger als 17, 18 Uhr gearbeitet. Und dies bei einem Gehalt von hohem mittleren 5 stelligen und nun 6 stellingen Gehalt. Man muss nicht für den Mandanten springen und hat viel Gestaltungsspielraum.
Was stimmt ist das Standing der RA, die in beiden Unternehmen eher als Blockierer gesehen wird, was den Umgang mit manchen Stakeholdern etwas schwierig macht. Für mich aber dennoch aufgrund der Gesamtumstände unschlagbar.
Vor 7 Stunden
Ich war einige Jahre Rechtsanwältin, bevor ich zunächst in die Personalabteilung und inzwischen Rechtsabteilung eines Tochterunternehmens eines bekannten Konzerns gewechselt bin.
Aus dieser Erfahrung heraus kann ich dir sagen, dass es auch davon abhängt, wo und in welchem Rechtsgebiet du eingesetzt bist. Bist du in der normalen Rechtsabteilung, bist du oftmals eher generalistisch unterwegs, wobei auch bei uns jeder seine Zuständigkeit hat. Ich bin in einem speziellen Teil der Rechtsabteilung und habe meine zwei Rechtsgebiete für die ich zuständig bin. Wir haben in diesem Teil der Rechtsabteilung auch Nicht-Juristen sitzen, die sich um allgemeine Dinge kümmern. Wir Juristen sind bei allen explizit juristischen Dingen gefragt sowie bei Themen, die für die Nicht-Juristen zu kompliziert (= zu juristisch) werden.
Die Arbeit macht Spaß, ist aber sehr branchenspezifisch (Energiebranche).
Die Arbeit vorher in der Personalabteilung war nur zum Teil juristisch. Vielfach haben wir Projekte juristisch umgesetzt wie z.B.
die Einführung neuer Arbeitsbedigungen, aber auch Gesetzesänderungen, die dem Arbeitgeber bestimmte Pflichten auferlegen.
Bei uns sind es 37h nach Tarif. Bei IGM-Unternehmen 35h, wenn du nicht AT bist. AT sind bei uns Führungskräfte und ein paar wenige Ausnahmen an Mitarbeitern mit herausragenden Funktionen. Alle anderen Akademiker und Volljuristen sind in der obersten Entgeltgruppe eingruppiert.
Ich arbeite endlich wieder sehr eigenständig und nahezu weisungsfrei, weil meine Arbeit mehr oder weniger nur unsere Tochtergesellschaft betrifft. Je nach Abteilung und Zuständigkeit merkt man in einem Konzern aber auch sehr stark die gewollte Vereinheitlichung im Konzern, sprich es gibt viele Abstimmungsschleifen und übergeordnete Anweisungen aus dem Konzern. So war es in der Personalabteilung. Außerdem kann man, wie überall, Glück oder Pech mit dem Vorgesetzten haben. Das war der Grund für meinen Abteilungswechsel. Ich hatte hier darüber berichtet. Wenn man aber schlau ist, kann man gut Kontakte in andere Abteilungen knüpfen und, wie ich, die Abteilung wechseln. Nicht nur aus negativen Anlass wie bei mir, auch im Positiven, denn Juristen können in verschiedenen Abteilungen tätig sein.
Wenn der Vorgesetzte sich an die Unternehmensregeln hält, ist die Work Life Balance sehr gut. Meine 37h sind realistisch ca. 35-42h, je nachdem was beruflich und privat ansteht. Keine Gleitzeit oder Vertrauensarbeitszeit, sondern langer Arbeitszeitrahmen bis 22 Uhr (wenn man danach noch arbeiten möchte, macht man das inoffiziell und schreibt die Stunde woanders hin - als Elternteil mit kleinen Kindern super). Jede Überstunde geht auf ein Überstundenkonto und kann flexibel einzeln oder als ganzer Tag abgebaut werden. Seit dem letzten Jahr gibt es auch die Möglichkeit, sich diese Stunden oder 10 Tage seines Urlaubs auszahlen zu lassen sowie auch als Tarifmitarbeiter Vertrauensarbeitszeit zu wählen. Bei letzterem fällt aber das Zeitkonto weg, kann also nicht auf- und abgebaut werden. Urlaub 30 Tage plus Weihnachten und Silvester.
Vom Arbeitgeber finanzierte betriebliche Altersvorsorge, Jobrad, und diverse andere Benefits. 3 Tage Home Office pro Woche.
Gehälter sind es 13 plus ein eine vom Konzernerfolg abhängige Vergütung von ca. 0,7 bis 0,8 Gehältern.
Wir haben im Unternehmen eine Fluktuation von unter 2 Prozent inklusive der natürlichen Abgänge (Rente). Die Zufriedenheit im Unternehmen ist also sehr hoch und die allermeisten, die einmal hier gelandet sind, bleiben auch hier. Klar kann man als Jurist woanders auch mehr bekommen, wobei "mehr" dann 6stellig bedeutet. Dann hat man aber im Gegenzug nicht die sehr gute WLB, die man im Unternehmen hat. Das ist meinen Kollegen und mir bewusst, weswegen keiner den Willen hat, woanders hinzugehen oder wieder als Rechtsanwalt in einer Kanzlei zu arbeiten. Hinsichtlich WLB und Arbeitsbedingungen ist die Arbeit in einem Konzern halt schon so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau. Dafür akzeptiert auch der beste Prädikatsjurist, dass er keine GK-Vergütung erhält.
Aus dieser Erfahrung heraus kann ich dir sagen, dass es auch davon abhängt, wo und in welchem Rechtsgebiet du eingesetzt bist. Bist du in der normalen Rechtsabteilung, bist du oftmals eher generalistisch unterwegs, wobei auch bei uns jeder seine Zuständigkeit hat. Ich bin in einem speziellen Teil der Rechtsabteilung und habe meine zwei Rechtsgebiete für die ich zuständig bin. Wir haben in diesem Teil der Rechtsabteilung auch Nicht-Juristen sitzen, die sich um allgemeine Dinge kümmern. Wir Juristen sind bei allen explizit juristischen Dingen gefragt sowie bei Themen, die für die Nicht-Juristen zu kompliziert (= zu juristisch) werden.
Die Arbeit macht Spaß, ist aber sehr branchenspezifisch (Energiebranche).
Die Arbeit vorher in der Personalabteilung war nur zum Teil juristisch. Vielfach haben wir Projekte juristisch umgesetzt wie z.B.
die Einführung neuer Arbeitsbedigungen, aber auch Gesetzesänderungen, die dem Arbeitgeber bestimmte Pflichten auferlegen.
Bei uns sind es 37h nach Tarif. Bei IGM-Unternehmen 35h, wenn du nicht AT bist. AT sind bei uns Führungskräfte und ein paar wenige Ausnahmen an Mitarbeitern mit herausragenden Funktionen. Alle anderen Akademiker und Volljuristen sind in der obersten Entgeltgruppe eingruppiert.
Ich arbeite endlich wieder sehr eigenständig und nahezu weisungsfrei, weil meine Arbeit mehr oder weniger nur unsere Tochtergesellschaft betrifft. Je nach Abteilung und Zuständigkeit merkt man in einem Konzern aber auch sehr stark die gewollte Vereinheitlichung im Konzern, sprich es gibt viele Abstimmungsschleifen und übergeordnete Anweisungen aus dem Konzern. So war es in der Personalabteilung. Außerdem kann man, wie überall, Glück oder Pech mit dem Vorgesetzten haben. Das war der Grund für meinen Abteilungswechsel. Ich hatte hier darüber berichtet. Wenn man aber schlau ist, kann man gut Kontakte in andere Abteilungen knüpfen und, wie ich, die Abteilung wechseln. Nicht nur aus negativen Anlass wie bei mir, auch im Positiven, denn Juristen können in verschiedenen Abteilungen tätig sein.
Wenn der Vorgesetzte sich an die Unternehmensregeln hält, ist die Work Life Balance sehr gut. Meine 37h sind realistisch ca. 35-42h, je nachdem was beruflich und privat ansteht. Keine Gleitzeit oder Vertrauensarbeitszeit, sondern langer Arbeitszeitrahmen bis 22 Uhr (wenn man danach noch arbeiten möchte, macht man das inoffiziell und schreibt die Stunde woanders hin - als Elternteil mit kleinen Kindern super). Jede Überstunde geht auf ein Überstundenkonto und kann flexibel einzeln oder als ganzer Tag abgebaut werden. Seit dem letzten Jahr gibt es auch die Möglichkeit, sich diese Stunden oder 10 Tage seines Urlaubs auszahlen zu lassen sowie auch als Tarifmitarbeiter Vertrauensarbeitszeit zu wählen. Bei letzterem fällt aber das Zeitkonto weg, kann also nicht auf- und abgebaut werden. Urlaub 30 Tage plus Weihnachten und Silvester.
Vom Arbeitgeber finanzierte betriebliche Altersvorsorge, Jobrad, und diverse andere Benefits. 3 Tage Home Office pro Woche.
Gehälter sind es 13 plus ein eine vom Konzernerfolg abhängige Vergütung von ca. 0,7 bis 0,8 Gehältern.
Wir haben im Unternehmen eine Fluktuation von unter 2 Prozent inklusive der natürlichen Abgänge (Rente). Die Zufriedenheit im Unternehmen ist also sehr hoch und die allermeisten, die einmal hier gelandet sind, bleiben auch hier. Klar kann man als Jurist woanders auch mehr bekommen, wobei "mehr" dann 6stellig bedeutet. Dann hat man aber im Gegenzug nicht die sehr gute WLB, die man im Unternehmen hat. Das ist meinen Kollegen und mir bewusst, weswegen keiner den Willen hat, woanders hinzugehen oder wieder als Rechtsanwalt in einer Kanzlei zu arbeiten. Hinsichtlich WLB und Arbeitsbedingungen ist die Arbeit in einem Konzern halt schon so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau. Dafür akzeptiert auch der beste Prädikatsjurist, dass er keine GK-Vergütung erhält.
Vor 6 Stunden
Ich bin Syndikus in einem MDAX Unternehmen und sehr zufrieden. Bei uns hat die Rechtsabteilung im Konzern einen sehr guten Ruf und wir sind auch sehr einflussreich.
Die Tätigkeit ist abwechslungsreich und ich habe persönlich auch sehr viele Freiheiten. Die Work-Life-Balance ist sehr gut und ich arbeite sehr selten mehr als 40h.
Manchmal würde ich mir ein höheres Gehalt wünschen, aber auch da will ich mich letztlich nicht beklagen.
Ich kann den Beruf des Unternehmensjuristen nur empfehlen.
Die Tätigkeit ist abwechslungsreich und ich habe persönlich auch sehr viele Freiheiten. Die Work-Life-Balance ist sehr gut und ich arbeite sehr selten mehr als 40h.
Manchmal würde ich mir ein höheres Gehalt wünschen, aber auch da will ich mich letztlich nicht beklagen.
Ich kann den Beruf des Unternehmensjuristen nur empfehlen.
Vor 5 Stunden
(Vor 6 Stunden)advocatus diaboli schrieb: Ich bin Syndikus in einem MDAX Unternehmen und sehr zufrieden. Bei uns hat die Rechtsabteilung im Konzern einen sehr guten Ruf und wir sind auch sehr einflussreich.
Die Tätigkeit ist abwechslungsreich und ich habe persönlich auch sehr viele Freiheiten. Die Work-Life-Balance ist sehr gut und ich arbeite sehr selten mehr als 40h.
Manchmal würde ich mir ein höheres Gehalt wünschen, aber auch da will ich mich letztlich nicht beklagen.
Ich kann den Beruf des Unternehmensjuristen nur empfehlen.
Darf man fragen in welchem Bereich dein Gehalt so liegt und wie viel Berufserfahrung du schon hast? :)
Vor 5 Stunden
Gehören Vertragsverhandlungen auch dazu?
Vor 3 Stunden
(Vor 5 Stunden)Graubrot schrieb: Gehören Vertragsverhandlungen auch dazu?
Die eigentliche Verhandlung bei uns nicht. Das machen die Fachabteilungen selbst, denn die sind dichter dran und wissen, was sie brauchen. Die Rechtsabteilung schaut nur vor Unterschrift drüber, ob rechtlich alles ok ist und gibt entweder das Go oder Änderungen mit.
Vor 3 Stunden
Bei mir wiederum gehören Vertragsverhandlungen mit den Vertragspartnern zum Tagesgeschäft, also auch Calls mit den Partnern. Oder teilweise auch die Vertragserstellung from scratch.



