06.02.2026, 15:39
Vorab: ich möchte keine Berufsberatung oder ähnliches, ich muss gerade allgemeine Gedanken zur juristischen Ausbildung loswerden.
Die Ausbildung zum Volljuristen dauert (mit Wartezeit auf Ref) fast 10 Jahre. (!) Man hat die Augen derart streng auf das Ziel gerichtet, dass man garnicht weiß, was danach wirklich kommt.
Ich weiß, man hat selber Pech wenn es im 2. Examen nicht gut gelaufen ist (unter den magischen 9P). Aber 10 Jahre dafür, dass man am Ende doch nicht seinen erträumten Beruf einschlagen kann, weil man den eben nicht so netten Korrektor in seiner Klausur erwischt hat. Oder nicht so nette Prüfer in der Mündlichen.
Alles ist so subjektiv und so hart in der Ausbildung, dass ich nach all den Jahren garnicht mehr weiß, wieso ich überhaupt Jura studiert habe. Weil ich mit 18 Jahren andere Vorstellungen an der Juristerei hatte? Zu viel Naivität?
Am Ende des Refs steht man ausgebrannt, körperlich und psychisch fertig, mit vielen tausend Euro weniger in den Taschen (Kosten der Ausbildung und ggf für Verbesserungsversuch) um Jobangebote zu lesen für 45k im Jahr.
Ja, von nichts kommt nichts. Ja, Berufserfahrung ist wichtiger. Aber mindestens 60k im Jahr zu bekommen nach 10 Jahren Ausbildung für über 40 (!!) Stunden in der Woche sollte wohl nicht zuviel verlangt sein.
Alles, aber für was? Menschen "helfen"? Als Anwalt nur teilweise , da ist man schon oft der Pausenclown für Mandanten.
Für Prestige? Wohl auch kaum, man wird genauso von Menschen angemeckert, wie inkompetent man sei, als würde ich Leute an der Kasse bedienen. Egal ob man Richter oder RA oder im Unternehmen ist.
Die hohen Anforderungen und die Verantwortung eines (Voll)Juristen wiegen sich (mE) nicht wirklich mit dem Beruf(seinstieg) auf (hier gibt es natürlich Ausnahmen!). Vielleicht kommt das große Glücksgefühl erst nach vielen Jahren an Berufserfahrung.
Inzwischen sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und bin selbst tagtäglich abgeneigter von der eigenen Profession. Die Sprache, die Förmelei, die Verantwortung, die Genauigkeit. Gleichzeitig gebrandmarkt sein, das alles, was unter dem Job eines "Volljuristen" steht, als nicht genügend 'anspruchsvoll' als potenziellen Job anzusehen.
Ich respektiere und schätze jeden, der das Alles tragen kann und gleichzeitig liebt.
Die Ausbildung zum Volljuristen dauert (mit Wartezeit auf Ref) fast 10 Jahre. (!) Man hat die Augen derart streng auf das Ziel gerichtet, dass man garnicht weiß, was danach wirklich kommt.
Ich weiß, man hat selber Pech wenn es im 2. Examen nicht gut gelaufen ist (unter den magischen 9P). Aber 10 Jahre dafür, dass man am Ende doch nicht seinen erträumten Beruf einschlagen kann, weil man den eben nicht so netten Korrektor in seiner Klausur erwischt hat. Oder nicht so nette Prüfer in der Mündlichen.
Alles ist so subjektiv und so hart in der Ausbildung, dass ich nach all den Jahren garnicht mehr weiß, wieso ich überhaupt Jura studiert habe. Weil ich mit 18 Jahren andere Vorstellungen an der Juristerei hatte? Zu viel Naivität?
Am Ende des Refs steht man ausgebrannt, körperlich und psychisch fertig, mit vielen tausend Euro weniger in den Taschen (Kosten der Ausbildung und ggf für Verbesserungsversuch) um Jobangebote zu lesen für 45k im Jahr.
Ja, von nichts kommt nichts. Ja, Berufserfahrung ist wichtiger. Aber mindestens 60k im Jahr zu bekommen nach 10 Jahren Ausbildung für über 40 (!!) Stunden in der Woche sollte wohl nicht zuviel verlangt sein.
Alles, aber für was? Menschen "helfen"? Als Anwalt nur teilweise , da ist man schon oft der Pausenclown für Mandanten.
Für Prestige? Wohl auch kaum, man wird genauso von Menschen angemeckert, wie inkompetent man sei, als würde ich Leute an der Kasse bedienen. Egal ob man Richter oder RA oder im Unternehmen ist.
Die hohen Anforderungen und die Verantwortung eines (Voll)Juristen wiegen sich (mE) nicht wirklich mit dem Beruf(seinstieg) auf (hier gibt es natürlich Ausnahmen!). Vielleicht kommt das große Glücksgefühl erst nach vielen Jahren an Berufserfahrung.
Inzwischen sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und bin selbst tagtäglich abgeneigter von der eigenen Profession. Die Sprache, die Förmelei, die Verantwortung, die Genauigkeit. Gleichzeitig gebrandmarkt sein, das alles, was unter dem Job eines "Volljuristen" steht, als nicht genügend 'anspruchsvoll' als potenziellen Job anzusehen.
Ich respektiere und schätze jeden, der das Alles tragen kann und gleichzeitig liebt.
06.02.2026, 16:01
Ich kann deine Ernüchterung gut nachvollziehen. Man investiert ungeheuer viel in diese Ausbildung, v.a. viel Lebenszeit und Verdienstausfall. Da muss man am Ende schon hoch springen, damit sich das Ganze finanziell rechnet.
Aufgrund der aktuellen Konjunktur und der Vielzahl an Absolventen ist der Berufseinstieg gerade auch nicht ganz einfach. Die letzten Jahre der Hochkonjunktur haben etwas darüber hinweggetäuscht, dass der Arbeitsmarkt für Juristen kein Selbstläufer ist. Meiner Generation wurde das damals noch direkt beim Studienbeginn eingebläut. Ob es das besser gemacht hat…nicht wenige haben während ihres Studiums mit Existenzängsten zu kämpfen gehabt. Googlet mal Artikel zu dem Thema aus der Zeit vor 2010… Jobs haben wir später trotzdem alle gefunden.
Du solltest bei allem nicht vergessen, dass es erstmal „nur“ um den Berufseinstieg geht. Das Examen entscheidet erstmal „nur“ darüber, von wo aus du ins Berufsleben startest. Wo du nach 5-10 Jahren rauskommst, hast du zu einem guten Teil weiterhin selbst in der Hand. Jede Konjunkturdelle hat irgendwann ein Ende. Von der Bekannten, die nach 10 Jahren mit 2 schwachen befriedigend doch noch Richterin wurde, habe ich hier ja schon mal berichtet.
Aufgrund der aktuellen Konjunktur und der Vielzahl an Absolventen ist der Berufseinstieg gerade auch nicht ganz einfach. Die letzten Jahre der Hochkonjunktur haben etwas darüber hinweggetäuscht, dass der Arbeitsmarkt für Juristen kein Selbstläufer ist. Meiner Generation wurde das damals noch direkt beim Studienbeginn eingebläut. Ob es das besser gemacht hat…nicht wenige haben während ihres Studiums mit Existenzängsten zu kämpfen gehabt. Googlet mal Artikel zu dem Thema aus der Zeit vor 2010… Jobs haben wir später trotzdem alle gefunden.
Du solltest bei allem nicht vergessen, dass es erstmal „nur“ um den Berufseinstieg geht. Das Examen entscheidet erstmal „nur“ darüber, von wo aus du ins Berufsleben startest. Wo du nach 5-10 Jahren rauskommst, hast du zu einem guten Teil weiterhin selbst in der Hand. Jede Konjunkturdelle hat irgendwann ein Ende. Von der Bekannten, die nach 10 Jahren mit 2 schwachen befriedigend doch noch Richterin wurde, habe ich hier ja schon mal berichtet.
06.02.2026, 16:23
Ja, es wird besser mit ein paar Jahren Abstand. Nach dem Ref hätte ich niemandem empfohlen Jura zu studieren. Ein paar Jahre später sah das schon anders aus und ich konnte positiver über die juristische Ausbildung sprechen. Auch das Gehalt wird steigen. In ein paar Jahren ist dein Gehalt mit ziemlicher Sicherheit höher als das von 89% bis 95% der deutschen Bevölkerung. Das sollte ausreichen, um ein mehr als auskömmliches Leben zu führen.
06.02.2026, 19:39
(06.02.2026, 15:39)Lolol schrieb: Ich weiß, man hat selber Pech wenn es im 2. Examen nicht gut gelaufen ist (unter den magischen 9P). Aber 10 Jahre dafür, dass man am Ende doch nicht seinen erträumten Beruf einschlagen kann, weil man den eben nicht so netten Korrektor in seiner Klausur erwischt hat. Oder nicht so nette Prüfer in der Mündlichen.
Ich würde für etwas mehr Realismus in beide Richtungen plädieren:
Es ist nicht ein nicht so netter Prüfer oder Korrektor. Um im Schnitt einen Punkt weniger zu haben, muss in jeder einzelnen Klausur jeder Erst- und jeder Zweitkorrektor einen Punkt weniger geben. Und auch die Prüfungskommission besteht aus Mehreren. Natürlich gibt es auch Pech und auch großes Pech. Aber vielleicht ist ja auch ein Körnchen Wahrheit in der Note.
Aber umgekehrt gibt es für die allermeisten Berufe eben auch nicht diese magische Notengrenze. Als ich Examen gemacht habe, war die Einstellungssituation nicht so schlecht wie heute, aber doch auch nicht ganz so rosig wie zwischendurch, und viele aus meiner AG waren punktemäßig nicht so berauschend. Aber neulich bei einem Jubiläumstreffen habe ich festgestellt, dass ausnahmslos jeder der Anwesenden mit dem Berufsweg, den er genommen hat, zufrieden war - obwohl der oft ganz anders verlief als vorher gedacht. Ich weiß, dass das jetzt kein riesiger Trost ist, aber ich bin fast sicher, dass auch Ihr in 15 Jahren zurückschauend ganz zufrieden sein werdet. Und das wird dann nicht an 9 Punkte oder nicht 9 Punkte hängen.
06.02.2026, 22:31
Ich habe im November mein Ref abgeschlossen und ganz ehrlich: Ich sehe es auch so. Könnte ich noch einmal in der Zeit zurück, würde ich nicht nochmal Jura studieren. Gerade das Risiko, dass man sich mit einem schlechten (beim aktuellen Markt auch bei einem durchschnittlichen) 2. Stex nochmal die Zukunft so richtig ruiniert, ist wohl woanders kaum zu finden. Dann kann man froh sein, wenn man überhaupt etwas findet. Ich habe nicht einmal komplett katastrophale Aussichten, aber bei Freunden von mir ist es echt nicht schön und sie sind teils auch echt verzweifelt.
Zu dem Punkt der Bewertung: Vielleicht ist es ja ein großer Zufall, aber alle meine (20) Examensklausuren wurden von dem Zweitkorrektor exakt gleich bewertet. Man könnte denken, sie hätten sich am Erstgutachten „orientiert“. Teilweise waren sie aber so nett keine Bemerkungen/Notizen bei der Korrektur zu machen. Das wäre ja verwirrend.
Letztlich hilft das Jammern aber alles nichts! Ich versuche es jetzt noch einmal im VV oder in verschiedenen Berufen (also die man <16 Punkte bekommt). Im schlimmsten Fall kann man sich ja immer noch umorientieren! Nach vielen „juristischen Einstiegen“ kann man da auch raus und in die Führung/Management (BW, Polizei, Verwaltung, Unternehmen). Ich hoffe Du probierst Dich auch noch etwas aus!
Zu dem Punkt der Bewertung: Vielleicht ist es ja ein großer Zufall, aber alle meine (20) Examensklausuren wurden von dem Zweitkorrektor exakt gleich bewertet. Man könnte denken, sie hätten sich am Erstgutachten „orientiert“. Teilweise waren sie aber so nett keine Bemerkungen/Notizen bei der Korrektur zu machen. Das wäre ja verwirrend.
Letztlich hilft das Jammern aber alles nichts! Ich versuche es jetzt noch einmal im VV oder in verschiedenen Berufen (also die man <16 Punkte bekommt). Im schlimmsten Fall kann man sich ja immer noch umorientieren! Nach vielen „juristischen Einstiegen“ kann man da auch raus und in die Führung/Management (BW, Polizei, Verwaltung, Unternehmen). Ich hoffe Du probierst Dich auch noch etwas aus!
07.02.2026, 00:47
Mir geht es genau so. Habe im zweiten aus diversen Gründen ein ausreichend obwohl das unter meinen Möglichkeiten lag. War aber zu gekränkt bzw. Ausgelaugt es zu verbessern. Jobangebote waren nicht so traumhaft aber immerhin ein paar Stellen um die 60k, wenn auch keine klassichen stelle für einen typischen volljuristen. Wobei ich ernsthaft sagen muss, dass 60k mit ~3k Netto echt mit das größte Problem sind. Das verdient wirklich jeder mindestens auch 30 Jahre alt ist und irgendwas studiert hat oder gar Betriebswirt etc. Mit anderen Akademikern kaum zu vergleichen. Eher besserer Durchschnitt unter Azubis
07.02.2026, 07:28
Der Vergleich zwischen dem Gehalt eines 30-Jährigen, der in in einem Lehrberuf tätig ist, und einem Volljuristen, der Berufsanfänger ist, hinkt. Im Lehrberuf hat man in dem Alter schon ein Jahrzehnt Berufserfahrung.
07.02.2026, 09:44
Ich schreibe es auch immer in anderen Threads hier, Juraabsolventen glauben oft, dass für sie die allgemeinen Regeln des Marktes nicht gelten würden, weil ihr Studium so lange dauern würde oder weil es besonders schwer sei oder man sich besonders gestresst habe. So läuft das aber nicht.
Wer seinen Lebenslauf auf die Note reduziert, ist am Ende mit der Note gefangen. Es gibt daneben aber viele Möglichkeiten, sich anderweitig zu qualifizieren und auch einen spannenden Job zu finden.
Abgesehen davon, mal aus der Praxis gesprochen, hier sind schon viele Luftpumpen unterwegs. In der Regel geht es weder besonders genau zu, noch ist die Verantwortung überragend hoch. Da hat jede Krankenschwester faktisch mehr Verantwortung. Sicher, wer es schafft, sich bei einer Examensklausur extrem zu stressen, den stresst dann auch später im Beruf ein Streit über eine Schadensregulierung bei einem Autounfall aber mal unter uns, es geht fast immer nur um Geld und der Richter entscheidet sowieso.
Ich glaube, viele Juristen "wollen" bestimmte Dinge nicht ändern, über die sie sich aufregen. Und um sich dafür rechtfertigen zu können, wird es eben so umgemünzt, dass das Dinge seien, die man nicht ändern "könne". Noch ein Beispiel: Viele Juristen regen sich über die Förmelei auf aber pflegen diese genauso. Dabei freut sich jeder Mandant, wenn er einen Anwalt hat, der sich nicht in der Förmelei verliert, sondern gerade raus kommuniziert... aber dafür muss man sich als Anwalt natürlich auch eine klare Antwort zutrauen und kann sich nicht verstecken hinter einem "Auf Grundlage des vorgetragenen Sachverhalts, den wir nicht auf Vollständigkeit überprüft haben, kommen wir zu einer vorläufigen Bewertung, wobei dies nicht unter Berücksichtigung von .... eine andere Bewertung wäre möglich, wenn ... abhängig davon ob...." und so weiter.
Wer seinen Lebenslauf auf die Note reduziert, ist am Ende mit der Note gefangen. Es gibt daneben aber viele Möglichkeiten, sich anderweitig zu qualifizieren und auch einen spannenden Job zu finden.
Abgesehen davon, mal aus der Praxis gesprochen, hier sind schon viele Luftpumpen unterwegs. In der Regel geht es weder besonders genau zu, noch ist die Verantwortung überragend hoch. Da hat jede Krankenschwester faktisch mehr Verantwortung. Sicher, wer es schafft, sich bei einer Examensklausur extrem zu stressen, den stresst dann auch später im Beruf ein Streit über eine Schadensregulierung bei einem Autounfall aber mal unter uns, es geht fast immer nur um Geld und der Richter entscheidet sowieso.
Ich glaube, viele Juristen "wollen" bestimmte Dinge nicht ändern, über die sie sich aufregen. Und um sich dafür rechtfertigen zu können, wird es eben so umgemünzt, dass das Dinge seien, die man nicht ändern "könne". Noch ein Beispiel: Viele Juristen regen sich über die Förmelei auf aber pflegen diese genauso. Dabei freut sich jeder Mandant, wenn er einen Anwalt hat, der sich nicht in der Förmelei verliert, sondern gerade raus kommuniziert... aber dafür muss man sich als Anwalt natürlich auch eine klare Antwort zutrauen und kann sich nicht verstecken hinter einem "Auf Grundlage des vorgetragenen Sachverhalts, den wir nicht auf Vollständigkeit überprüft haben, kommen wir zu einer vorläufigen Bewertung, wobei dies nicht unter Berücksichtigung von .... eine andere Bewertung wäre möglich, wenn ... abhängig davon ob...." und so weiter.
07.02.2026, 10:08
(07.02.2026, 09:44)Patenter Gast schrieb: Ich schreibe es auch immer in anderen Threads hier, Juraabsolventen glauben oft, dass für sie die allgemeinen Regeln des Marktes nicht gelten würden, weil ihr Studium so lange dauern würde oder weil es besonders schwer sei oder man sich besonders gestresst habe. So läuft das aber nicht.Stimmt schon. Nur hat das auch den Hintergrund dass es ja schon auch passieren kann, dass der Mandant grade nicht alles mitteilt oder eben hinterher unzufrieden ankommt. Da
Wer seinen Lebenslauf auf die Note reduziert, ist am Ende mit der Note gefangen. Es gibt daneben aber viele Möglichkeiten, sich anderweitig zu qualifizieren und auch einen spannenden Job zu finden.
Abgesehen davon, mal aus der Praxis gesprochen, hier sind schon viele Luftpumpen unterwegs. In der Regel geht es weder besonders genau zu, noch ist die Verantwortung überragend hoch. Da hat jede Krankenschwester faktisch mehr Verantwortung. Sicher, wer es schafft, sich bei einer Examensklausur extrem zu stressen, den stresst dann auch später im Beruf ein Streit über eine Schadensregulierung bei einem Autounfall aber mal unter uns, es geht fast immer nur um Geld und der Richter entscheidet sowieso.
Ich glaube, viele Juristen "wollen" bestimmte Dinge nicht ändern, über die sie sich aufregen. Und um sich dafür rechtfertigen zu können, wird es eben so umgemünzt, dass das Dinge seien, die man nicht ändern "könne". Noch ein Beispiel: Viele Juristen regen sich über die Förmelei auf aber pflegen diese genauso. Dabei freut sich jeder Mandant, wenn er einen Anwalt hat, der sich nicht in der Förmelei verliert, sondern gerade raus kommuniziert... aber dafür muss man sich als Anwalt natürlich auch eine klare Antwort zutrauen und kann sich nicht verstecken hinter einem "Auf Grundlage des vorgetragenen Sachverhalts, den wir nicht auf Vollständigkeit überprüft haben, kommen wir zu einer vorläufigen Bewertung, wobei dies nicht unter Berücksichtigung von .... eine andere Bewertung wäre möglich, wenn ... abhängig davon ob...." und so weiter.
07.02.2026, 10:35
(06.02.2026, 15:39)Lolol schrieb: Vorab: ich möchte keine Berufsberatung oder ähnliches, ich muss gerade allgemeine Gedanken zur juristischen Ausbildung loswerden.
Die Ausbildung zum Volljuristen dauert (mit Wartezeit auf Ref) fast 10 Jahre. (!) Man hat die Augen derart streng auf das Ziel gerichtet, dass man garnicht weiß, was danach wirklich kommt.
Ich weiß, man hat selber Pech wenn es im 2. Examen nicht gut gelaufen ist (unter den magischen 9P). Aber 10 Jahre dafür, dass man am Ende doch nicht seinen erträumten Beruf einschlagen kann, weil man den eben nicht so netten Korrektor in seiner Klausur erwischt hat. Oder nicht so nette Prüfer in der Mündlichen.
Alles ist so subjektiv und so hart in der Ausbildung, dass ich nach all den Jahren garnicht mehr weiß, wieso ich überhaupt Jura studiert habe. Weil ich mit 18 Jahren andere Vorstellungen an der Juristerei hatte? Zu viel Naivität?
Am Ende des Refs steht man ausgebrannt, körperlich und psychisch fertig, mit vielen tausend Euro weniger in den Taschen (Kosten der Ausbildung und ggf für Verbesserungsversuch) um Jobangebote zu lesen für 45k im Jahr.
Ja, von nichts kommt nichts. Ja, Berufserfahrung ist wichtiger. Aber mindestens 60k im Jahr zu bekommen nach 10 Jahren Ausbildung für über 40 (!!) Stunden in der Woche sollte wohl nicht zuviel verlangt sein.
Alles, aber für was? Menschen "helfen"? Als Anwalt nur teilweise , da ist man schon oft der Pausenclown für Mandanten.
Für Prestige? Wohl auch kaum, man wird genauso von Menschen angemeckert, wie inkompetent man sei, als würde ich Leute an der Kasse bedienen. Egal ob man Richter oder RA oder im Unternehmen ist.
Die hohen Anforderungen und die Verantwortung eines (Voll)Juristen wiegen sich (mE) nicht wirklich mit dem Beruf(seinstieg) auf (hier gibt es natürlich Ausnahmen!). Vielleicht kommt das große Glücksgefühl erst nach vielen Jahren an Berufserfahrung.
Inzwischen sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und bin selbst tagtäglich abgeneigter von der eigenen Profession. Die Sprache, die Förmelei, die Verantwortung, die Genauigkeit. Gleichzeitig gebrandmarkt sein, das alles, was unter dem Job eines "Volljuristen" steht, als nicht genügend 'anspruchsvoll' als potenziellen Job anzusehen.
Ich respektiere und schätze jeden, der das Alles tragen kann und gleichzeitig liebt.
Tja in Zeiten wo EG 9 / A9 Stellen für Volljuristen ausgeschrieben werden muss man diese Pille einfach schlucken oder selber Unternehmer werden.



