23.07.2022, 20:50
Ich habe im 1. Examen ein überraschend gutes Ergebnis erzielt & habe mich prompt bei einigen GK auf eine WissMit-Stelle beworben. Habe auch schon einige Vorstellungsgespräche. Aber irgendwie ging in den letzten Wochen alles so schnell, dass ich mir über ein paar Dinge noch gar keine Gedanken gemacht habe.
Mal ganz dumm gefragt: Wie verhält man sich in so einer GK? Irgendwelche Knigge-Regeln oder so!? Ich weiß, dass man sich nicht verstellen sollte, sowieso kaum bis keine fachlichen Fragen drankommen und man eigentlich nur guckt, ob man miteinander klarkommt. Aber ich muss dazu sagen, dass ich aus einem ganz anderen "Milieu" komme und überhaupt nicht weiß, wie der Umgang in solchen Großbuden aussieht. Damals als naiver Ersti trotz elterlichen Widerstand (die eine Lehre besser gefunden hatten) mit dem Jurastudium angefangen, weil keine bessere Ideen gehabt und die Juristerei ja eigentlich "ganz interessant" ist. Wollte mal schauen und gucken. War im Studium absoluter Durchschnitt, weder am Lehrstuhl tätig noch hatte ich irgendwelche fancy Praktika. Jetzt sitze ich hier, mit einem überdurchschnittlichen 1. Examen, so vielen geöffneten Türen und Vorstellungsgesprächen in internationalen Großkanzleien, die ich immer für unerreichbar hielt (und zwar nicht mal wegen der Note).
Wahrscheinlich überdramatisiere ich gerade alles, aber ich weiß nicht, wie ich mit diesen Gedanken und Ängsten umgehen soll
Kann mich jemand verstehen? Wart ihr auch so aufgeregt vor diesem Schritt?
Habt ihr Tipps für die Vorstellungsgespräche? Ganz egal, in welche Richtung
Mal ganz dumm gefragt: Wie verhält man sich in so einer GK? Irgendwelche Knigge-Regeln oder so!? Ich weiß, dass man sich nicht verstellen sollte, sowieso kaum bis keine fachlichen Fragen drankommen und man eigentlich nur guckt, ob man miteinander klarkommt. Aber ich muss dazu sagen, dass ich aus einem ganz anderen "Milieu" komme und überhaupt nicht weiß, wie der Umgang in solchen Großbuden aussieht. Damals als naiver Ersti trotz elterlichen Widerstand (die eine Lehre besser gefunden hatten) mit dem Jurastudium angefangen, weil keine bessere Ideen gehabt und die Juristerei ja eigentlich "ganz interessant" ist. Wollte mal schauen und gucken. War im Studium absoluter Durchschnitt, weder am Lehrstuhl tätig noch hatte ich irgendwelche fancy Praktika. Jetzt sitze ich hier, mit einem überdurchschnittlichen 1. Examen, so vielen geöffneten Türen und Vorstellungsgesprächen in internationalen Großkanzleien, die ich immer für unerreichbar hielt (und zwar nicht mal wegen der Note).
Wahrscheinlich überdramatisiere ich gerade alles, aber ich weiß nicht, wie ich mit diesen Gedanken und Ängsten umgehen soll
Kann mich jemand verstehen? Wart ihr auch so aufgeregt vor diesem Schritt?Habt ihr Tipps für die Vorstellungsgespräche? Ganz egal, in welche Richtung
23.07.2022, 21:56
Darf ich fragen, welche Note du hast ?
23.07.2022, 22:08
Nicht verrückt machen lassen. Wir kochen auch nur mit Wasser. Und nicht verstellen, solche Leute gehen mir auf den Sack
23.07.2022, 22:21
Hi :)
Kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen, ging mir vor knapp einem Jahr genauso. Bin die erste in der Familie, die studiert hat, alles mit Bafög etc. .
Ich hatte ein paar Bewerbungsgespräche bei Großkanzleien als wissenschaftliche Mitarbeiterin, überall ne Zusage und hab dann bei einer US Kanzlei im Kapitalmarktrecht angefangen.
War vor den Gesprächen auch sehr aufgeregt und unsicher, wie man sich da so am besten verhält. Aber es ist halb so schlimm :) Meistens ist es wirklich eher ein freundliches Kennenlernen. Es kamen jetzt auch nicht diese furchtbaren Standardfragen: “Warum wollen Sie unbedingt zu unserer Kanzlei?” “Was sind Ihre Stärken?”
Ich glaube es ist immer ganz gut, wenn man ein bisschen was außerhalb von Jura erzählen kann. Also was sind so deine Hobbies, hast du vor dem Jurastudium noch was anderes gemacht, usw.
Hatte eher das Gefühl, dass die einen als Menschen kennenlernen wollten. Dass man Jura einigermaßen kann hat man dann ja (zumindest nach deren Ansicht) schon mit der Note bewiesen.
Also Long story short: Sei ganz du selbst und erzähl einfach ungezwungen ein bisschen was über dich, dann wird’s schon :) Man stellt sich das so Suits-Harvey Specter-like vor, aber meistens ist es eigentlich ganz nett. Viel Erfolg!! :)
Kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen, ging mir vor knapp einem Jahr genauso. Bin die erste in der Familie, die studiert hat, alles mit Bafög etc. .
Ich hatte ein paar Bewerbungsgespräche bei Großkanzleien als wissenschaftliche Mitarbeiterin, überall ne Zusage und hab dann bei einer US Kanzlei im Kapitalmarktrecht angefangen.
War vor den Gesprächen auch sehr aufgeregt und unsicher, wie man sich da so am besten verhält. Aber es ist halb so schlimm :) Meistens ist es wirklich eher ein freundliches Kennenlernen. Es kamen jetzt auch nicht diese furchtbaren Standardfragen: “Warum wollen Sie unbedingt zu unserer Kanzlei?” “Was sind Ihre Stärken?”
Ich glaube es ist immer ganz gut, wenn man ein bisschen was außerhalb von Jura erzählen kann. Also was sind so deine Hobbies, hast du vor dem Jurastudium noch was anderes gemacht, usw.
Hatte eher das Gefühl, dass die einen als Menschen kennenlernen wollten. Dass man Jura einigermaßen kann hat man dann ja (zumindest nach deren Ansicht) schon mit der Note bewiesen.
Also Long story short: Sei ganz du selbst und erzähl einfach ungezwungen ein bisschen was über dich, dann wird’s schon :) Man stellt sich das so Suits-Harvey Specter-like vor, aber meistens ist es eigentlich ganz nett. Viel Erfolg!! :)
23.07.2022, 23:32
Das Examen allein reicht. Ansonsten geht es nur drum, dass man mit dir einigermaßen nett zusammen arbeiten kann, du also "normal" bist.
24.07.2022, 10:33
Hi "Gast",
ich bin Counsel in einer GK, also schon eine ganze Weile dabei.
Du schreibst, Du kommst aus einem anderen "Milieu", und meinst damit den Nicht-Akademiker-Hintergrund.
Du kannst Dir sicher sein: Jeder, der halbwegs normal ist, wird nichts anderes als großen Respekt vor Deiner Leistung haben. Ich mache so manches Vorstellungsgespräch und nur selten sind da "Arbeiterkinder" als Bewerber dabei. Wenn das aber so ist, finde ich das einfach nur toll.
Insofern: Sei einfach ein freundlicher und interessierter Dude (oder eine Dudette).
Wird schon laufen...
ich bin Counsel in einer GK, also schon eine ganze Weile dabei.
Du schreibst, Du kommst aus einem anderen "Milieu", und meinst damit den Nicht-Akademiker-Hintergrund.
Du kannst Dir sicher sein: Jeder, der halbwegs normal ist, wird nichts anderes als großen Respekt vor Deiner Leistung haben. Ich mache so manches Vorstellungsgespräch und nur selten sind da "Arbeiterkinder" als Bewerber dabei. Wenn das aber so ist, finde ich das einfach nur toll.
Insofern: Sei einfach ein freundlicher und interessierter Dude (oder eine Dudette).
Wird schon laufen...
24.07.2022, 13:01
(24.07.2022, 10:33)Counsel schrieb: Hi "Gast",
ich bin Counsel in einer GK, also schon eine ganze Weile dabei.
Du schreibst, Du kommst aus einem anderen "Milieu", und meinst damit den Nicht-Akademiker-Hintergrund.
Du kannst Dir sicher sein: Jeder, der halbwegs normal ist, wird nichts anderes als großen Respekt vor Deiner Leistung haben. Ich mache so manches Vorstellungsgespräch und nur selten sind da "Arbeiterkinder" als Bewerber dabei. Wenn das aber so ist, finde ich das einfach nur toll.
Insofern: Sei einfach ein freundlicher und interessierter Dude (oder eine Dudette).
Wird schon laufen...
Wie filterst Du heraus, ob jemand „Arbeiterkind“ ist oder nicht?
Frage auch mit gewissen Interesse, weil ich selbst ein solches bin und als Associate in meinem Team auch über die Bewerbungen für Ref/WissMit-Stellen schaue und zumeist im Vorstellungsgespräch einen Slot neben dem Partner habe.
Es ist ja inzwischen recht unüblich, den Beruf der Eltern anzugeben. Habe ich in aktuellen CVs auch noch nicht gesehen.
Klar, bei jemandem, der schon als Schüler an einem Schülerstudium-Programm teilgenommen hat und auch noch von der Studienstiftung gefördert wurde, spricht die Statistik schon (stark) für ein akademisches Elternhaus. Aber im Bereich von >98% Wahrscheinlichkeit ist man dann dennoch nicht.
24.07.2022, 13:14
(23.07.2022, 20:50)Gast schrieb: Ich habe im 1. Examen ein überraschend gutes Ergebnis erzielt & habe mich prompt bei einigen GK auf eine WissMit-Stelle beworben. Habe auch schon einige Vorstellungsgespräche. Aber irgendwie ging in den letzten Wochen alles so schnell, dass ich mir über ein paar Dinge noch gar keine Gedanken gemacht habe.
Mal ganz dumm gefragt: Wie verhält man sich in so einer GK? Irgendwelche Knigge-Regeln oder so!? Ich weiß, dass man sich nicht verstellen sollte, sowieso kaum bis keine fachlichen Fragen drankommen und man eigentlich nur guckt, ob man miteinander klarkommt. Aber ich muss dazu sagen, dass ich aus einem ganz anderen "Milieu" komme und überhaupt nicht weiß, wie der Umgang in solchen Großbuden aussieht. Damals als naiver Ersti trotz elterlichen Widerstand (die eine Lehre besser gefunden hatten) mit dem Jurastudium angefangen, weil keine bessere Ideen gehabt und die Juristerei ja eigentlich "ganz interessant" ist. Wollte mal schauen und gucken. War im Studium absoluter Durchschnitt, weder am Lehrstuhl tätig noch hatte ich irgendwelche fancy Praktika. Jetzt sitze ich hier, mit einem überdurchschnittlichen 1. Examen, so vielen geöffneten Türen und Vorstellungsgesprächen in internationalen Großkanzleien, die ich immer für unerreichbar hielt (und zwar nicht mal wegen der Note).
Wahrscheinlich überdramatisiere ich gerade alles, aber ich weiß nicht, wie ich mit diesen Gedanken und Ängsten umgehen soll![]()
Kann mich jemand verstehen? Wart ihr auch so aufgeregt vor diesem Schritt?
Habt ihr Tipps für die Vorstellungsgespräche? Ganz egal, in welche Richtung
Sei einfach Du selbst. Wenn Du die erste Zeit in der GK verbracht hast, wirst Du auch sehen, dass das ganz normale Menschen sind und der Stadiongänger deutlich häufiger anzutreffen ist als der Golfspieler (ich bin keins von Beidem :D).
Im Vorstellungsgespräch geht es, wie die Vorredner schon sagen, abzuklopfen, dass Du menschlich ok bist, man sich also dann auch im Team in der Kaffeeküche mit Dir unterhalten kann. Vielleicht solltest Du Dir paar Gedanken machen, ob Du ein präferiertes Rechtsgebiet hast.
Wenn Du dich dahingehend noch nicht spezifisch beworben hast, dann, welche Dich interessieren würden und 1-2 Sätze, warum. Lass Dich dabei evtl von den Ausführungen der Praxisgruppen-Beschreibung auf der Kanzleihomepage inspirieren, dann machst Du sicher nichts falsch.
Ansonsten, wenn man mit Dir Essen geht: keine Politik, keine sonst sensiblen Themen (Religion, Kindererziehung, …) und vielleicht auch nicht das teuerste Gericht auf der Karte ordern, da Du wohl eingeladen wirst. Sind doch alles Selbstverständlichkeiten.
24.07.2022, 13:45
(24.07.2022, 13:01)Gast schrieb:(24.07.2022, 10:33)Counsel schrieb: Hi "Gast",
ich bin Counsel in einer GK, also schon eine ganze Weile dabei.
Du schreibst, Du kommst aus einem anderen "Milieu", und meinst damit den Nicht-Akademiker-Hintergrund.
Du kannst Dir sicher sein: Jeder, der halbwegs normal ist, wird nichts anderes als großen Respekt vor Deiner Leistung haben. Ich mache so manches Vorstellungsgespräch und nur selten sind da "Arbeiterkinder" als Bewerber dabei. Wenn das aber so ist, finde ich das einfach nur toll.
Insofern: Sei einfach ein freundlicher und interessierter Dude (oder eine Dudette).
Wird schon laufen...
Wie filterst Du heraus, ob jemand „Arbeiterkind“ ist oder nicht?
Gar nicht. Aber es gibt (wenige) Bewerber, die im Laufe des Vorstellungsmittagessens zB erzählen, dass sie die ersten in ihrer Familie sind, die studiert haben und dass sie sich das Studium selbst finanziert haben. Ich frage oft, ob jemand mit Jura "familiär vorbelastet" ist und da erzählen die Leute dann öfter was von ihrer Familie.










