19.05.2026, 08:55
Hello, ich arbeite nun seit einem halben Jahr in einer Tier 1 Großkanzlei und bin davon genervt, dass, egal was ich mache, es nie gut genug ist. Ich formuliere eine E-Mail - ein (unwichtiges) Wort wird ergänzt, bevor ich sie abschicken darf; ich drafte etwas - der Partner hat sich das doch ganz anders vorgestellt usw. Es ist immer noch so, dass ich jedes Mal, wenn ich eine Aufgabe bekomme, Stress bekomme und mir denke, dass ich die eh nicht zufriedenstellend erledigen werde. Dazu kommt noch, dass ich noch sehr langsam arbeite.
Außerdem stört mich, dass die Erwartungshaltung ist, dass die meisten Aufgaben am gleichen Tag fertig werden, egal, wie lange man dran sitzt und egal, ob sie dringend sind oder nicht. Teilweise wird künstlicher Stress erzeugt, indem gesagt wird, dass die Sache morgen früh beim Partner auf dem Tisch liegen soll und dann schaut er sie sich frühestens eine Woche später an. Und wenn ich dann zB bei einer nicht dringenden Aufgabe um 21 Uhr Schluss mache, dann habe ich ein schlechtes Gewissen und denke mir, dass ich ungeeignet bin und eigentlich noch mehr Engagement zeigen müsste.
Mich stört auch, dass, egal wie gut mein Selbstbewusstsein an dem Tag ist, ich immer im Laufe des Tages das Gefühl bekomme, dumm zu sein, nicht ordentlich, nicht schnell, nicht gut genug zu arbeiten.
Wem geht es noch so? Gibt es Tipps? Geht das Gefühl irgendwann weg? Gewöhnt man sich einfach nur dran? Manchmal sehne ich mich nach einem Job, bei dem ich weiß, was ich mache und bei dem ich nicht andauernd kritisiert werde.
Außerdem stört mich, dass die Erwartungshaltung ist, dass die meisten Aufgaben am gleichen Tag fertig werden, egal, wie lange man dran sitzt und egal, ob sie dringend sind oder nicht. Teilweise wird künstlicher Stress erzeugt, indem gesagt wird, dass die Sache morgen früh beim Partner auf dem Tisch liegen soll und dann schaut er sie sich frühestens eine Woche später an. Und wenn ich dann zB bei einer nicht dringenden Aufgabe um 21 Uhr Schluss mache, dann habe ich ein schlechtes Gewissen und denke mir, dass ich ungeeignet bin und eigentlich noch mehr Engagement zeigen müsste.
Mich stört auch, dass, egal wie gut mein Selbstbewusstsein an dem Tag ist, ich immer im Laufe des Tages das Gefühl bekomme, dumm zu sein, nicht ordentlich, nicht schnell, nicht gut genug zu arbeiten.
Wem geht es noch so? Gibt es Tipps? Geht das Gefühl irgendwann weg? Gewöhnt man sich einfach nur dran? Manchmal sehne ich mich nach einem Job, bei dem ich weiß, was ich mache und bei dem ich nicht andauernd kritisiert werde.
19.05.2026, 09:43
Ich arbeite nicht in einer Großkanzlei, aber ich glaube dass Selbstzweifel eigentlich nichts ungewöhnliches sind. Es ist gesund, seine Arbeit zu hinterfragen, um besser zu werden. In der Großkanzlei herrscht nunmal höherer Druck, weil die Kanzlei hohe Gehälter auszahlt und ein Image pflegen muss. Das hat natürlich seinen Preis. Das was du spürst, würde ich sagen, ist ein Phänomen was jeder dort erfährt, manche kommen damit besser klar als andere. Für mich zb wäre das nichts.
19.05.2026, 09:56
Da kommen verschiedene Dinge zusammen. Das eine ist, dass du noch Berufsanfänger bist. Dass Entwürfe von dir angepasst, ergänzt und verworfen werden, ist ganz normal. Es wäre schlimm wenn nicht, weil - so ehrlich muss man sein - du hast noch nicht das Niveau eines berufserfahrenen Anwalts. Das darfst du dir also nicht zu sehr zu Herzen nehmen.
Das andere ist, dass es die Natur einer GK ist, dass immer alles asap und stressig ist. Ja, der Partner schaut es sich vielleicht erst Tage später an, aber das Produkt, deine Arbeit, muss beim Partner oder beim Mandanten liegen. Damit es bereit ist, wenn die Zeit haben, es sich anzuschauen. Du bekommst sehr viel Geld gezahlt, damit immer alles verfügbar ist, wenn etwas gebraucht wird. Das bedingt es, dass viel auf Vorrat produziert wird oder deutlich früher als benötigt. Das wird sich nicht ändern. Du wirst dich nur daran gewöhnen und natürlich auch irgendwann einschätzen können, wann etwas wirklich eilig ist und wann es vielleicht doch bis morgen warten kann.
Das andere ist, dass es die Natur einer GK ist, dass immer alles asap und stressig ist. Ja, der Partner schaut es sich vielleicht erst Tage später an, aber das Produkt, deine Arbeit, muss beim Partner oder beim Mandanten liegen. Damit es bereit ist, wenn die Zeit haben, es sich anzuschauen. Du bekommst sehr viel Geld gezahlt, damit immer alles verfügbar ist, wenn etwas gebraucht wird. Das bedingt es, dass viel auf Vorrat produziert wird oder deutlich früher als benötigt. Das wird sich nicht ändern. Du wirst dich nur daran gewöhnen und natürlich auch irgendwann einschätzen können, wann etwas wirklich eilig ist und wann es vielleicht doch bis morgen warten kann.
19.05.2026, 09:59
Ist relativ normal, wobei Partner sehr unterschiedlich sind. Der eine verändert Wording an E-Mails, der andere nicht. So lange deine E-Mail nicht vollkommen umgeworfen wird, war sie inhaltlich brauchbar (und gut). Stör dich nicht dran, wenn ein Wort oder ein Satz bzw. Kleinigkeiten angepasst werden. Ist oft auch einfach geschmackssache.
Wenn es wiederholt und unnötigerweise vorkommt, dass künstlicher Zeitdruck erzeugt wird, würde ich es offen und freundlich ansprechen. Unter Zeitdruck leidet meist auch qualität, was auch nicht der anspruch sein kann, wenn es dann 1 woche liegen bleibt. Versuche halt selbst mal abzuschätzen wie dringend die sachen sind, das lässt sich meist mit etwas gespür herausfinden. Wenn völlig unnötig künstlich gestresst wird, klar ansprechen. Oftmals ist es aber auch einfach nicht absehbar wann etwas gebraucht wird, dann ist es bitter aber muss eben erledigt werden in der zeit, die vorgegeben wird. Aber mit kommunikation lässt sich hier viel abhilfe schaffen
Wenn es wiederholt und unnötigerweise vorkommt, dass künstlicher Zeitdruck erzeugt wird, würde ich es offen und freundlich ansprechen. Unter Zeitdruck leidet meist auch qualität, was auch nicht der anspruch sein kann, wenn es dann 1 woche liegen bleibt. Versuche halt selbst mal abzuschätzen wie dringend die sachen sind, das lässt sich meist mit etwas gespür herausfinden. Wenn völlig unnötig künstlich gestresst wird, klar ansprechen. Oftmals ist es aber auch einfach nicht absehbar wann etwas gebraucht wird, dann ist es bitter aber muss eben erledigt werden in der zeit, die vorgegeben wird. Aber mit kommunikation lässt sich hier viel abhilfe schaffen
19.05.2026, 10:03
Der Stresspegel wird sich nicht ändern. Später sind es Mandanten oder andere Teams, die künstlich Stress erzeugen.
Entweder lernt man mit dem Stress umzugehen oder sucht sich etwas anderes.
>160k gibt es nicht für entspanntes Abarbeiten nach eigenen Vorstellungen.
Entweder lernt man mit dem Stress umzugehen oder sucht sich etwas anderes.
>160k gibt es nicht für entspanntes Abarbeiten nach eigenen Vorstellungen.
19.05.2026, 22:37
(19.05.2026, 08:55)Leo schrieb: Hello, ich arbeite nun seit einem halben Jahr in einer Tier 1 Großkanzlei und bin davon genervt, dass, egal was ich mache, es nie gut genug ist. Ich formuliere eine E-Mail - ein (unwichtiges) Wort wird ergänzt, bevor ich sie abschicken darf; ich drafte etwas - der Partner hat sich das doch ganz anders vorgestellt usw. Es ist immer noch so, dass ich jedes Mal, wenn ich eine Aufgabe bekomme, Stress bekomme und mir denke, dass ich die eh nicht zufriedenstellend erledigen werde. Dazu kommt noch, dass ich noch sehr langsam arbeite.
Außerdem stört mich, dass die Erwartungshaltung ist, dass die meisten Aufgaben am gleichen Tag fertig werden, egal, wie lange man dran sitzt und egal, ob sie dringend sind oder nicht. Teilweise wird künstlicher Stress erzeugt, indem gesagt wird, dass die Sache morgen früh beim Partner auf dem Tisch liegen soll und dann schaut er sie sich frühestens eine Woche später an. Und wenn ich dann zB bei einer nicht dringenden Aufgabe um 21 Uhr Schluss mache, dann habe ich ein schlechtes Gewissen und denke mir, dass ich ungeeignet bin und eigentlich noch mehr Engagement zeigen müsste.
Mich stört auch, dass, egal wie gut mein Selbstbewusstsein an dem Tag ist, ich immer im Laufe des Tages das Gefühl bekomme, dumm zu sein, nicht ordentlich, nicht schnell, nicht gut genug zu arbeiten.
Wem geht es noch so? Gibt es Tipps? Geht das Gefühl irgendwann weg? Gewöhnt man sich einfach nur dran? Manchmal sehne ich mich nach einem Job, bei dem ich weiß, was ich mache und bei dem ich nicht andauernd kritisiert werde.
Willkommen in der Realität der Großkanzlei. Das ist leider Normalität, mit der man irgendwie klar kommen muss. Auf Dauer war das für mich aber auch nichts.
20.05.2026, 12:40
(19.05.2026, 08:55)Leo schrieb: Hello, ich arbeite nun seit einem halben Jahr in einer Tier 1 Großkanzlei und bin davon genervt, dass, egal was ich mache, es nie gut genug ist. Ich formuliere eine E-Mail - ein (unwichtiges) Wort wird ergänzt, bevor ich sie abschicken darf; ich drafte etwas - der Partner hat sich das doch ganz anders vorgestellt usw. Es ist immer noch so, dass ich jedes Mal, wenn ich eine Aufgabe bekomme, Stress bekomme und mir denke, dass ich die eh nicht zufriedenstellend erledigen werde. Dazu kommt noch, dass ich noch sehr langsam arbeite.
Außerdem stört mich, dass die Erwartungshaltung ist, dass die meisten Aufgaben am gleichen Tag fertig werden, egal, wie lange man dran sitzt und egal, ob sie dringend sind oder nicht. Teilweise wird künstlicher Stress erzeugt, indem gesagt wird, dass die Sache morgen früh beim Partner auf dem Tisch liegen soll und dann schaut er sie sich frühestens eine Woche später an. Und wenn ich dann zB bei einer nicht dringenden Aufgabe um 21 Uhr Schluss mache, dann habe ich ein schlechtes Gewissen und denke mir, dass ich ungeeignet bin und eigentlich noch mehr Engagement zeigen müsste.
Mich stört auch, dass, egal wie gut mein Selbstbewusstsein an dem Tag ist, ich immer im Laufe des Tages das Gefühl bekomme, dumm zu sein, nicht ordentlich, nicht schnell, nicht gut genug zu arbeiten.
Wem geht es noch so? Gibt es Tipps? Geht das Gefühl irgendwann weg? Gewöhnt man sich einfach nur dran? Manchmal sehne ich mich nach einem Job, bei dem ich weiß, was ich mache und bei dem ich nicht andauernd kritisiert werde.
Ernsthafte Frage: was hast du denn erwartet?
Ich kenne das noch aus WiMi Zeiten bei Tier1 und das war genau der Grund warum ich das nicht gemacht habe.
Was du da beschreibst ist bei fast allen Großkanzleien Standard. Sei froh dass du überhaupt Feedback in dieser Form bekommst. Du wirst die ersten 1-3 Jahre je nach Führungsstil des Partners jedes Mal redlines zurück bekommen.
20.05.2026, 19:10
Also zumindest das typische rot anstreichen oder im Markup Modus Schriftsätze oder E-Mails zu überarbeiten hat rein gar nichts mit GK zu tun. Das ist mir auch an anderen Stellen mit Juristen passiert. Besonders ärgerlich ist es, wenn es keine Rechtschreibfehler und keine inhaltlichen Fehler sind und nur nach Gusto des jeweiligen Chefs oder Partners ein Synonym verwendet wird oder Geschmackliche Änderungen :D
21.05.2026, 10:13
(20.05.2026, 12:40)Joko schrieb:(19.05.2026, 08:55)Leo schrieb: Hello, ich arbeite nun seit einem halben Jahr in einer Tier 1 Großkanzlei und bin davon genervt, dass, egal was ich mache, es nie gut genug ist. Ich formuliere eine E-Mail - ein (unwichtiges) Wort wird ergänzt, bevor ich sie abschicken darf; ich drafte etwas - der Partner hat sich das doch ganz anders vorgestellt usw. Es ist immer noch so, dass ich jedes Mal, wenn ich eine Aufgabe bekomme, Stress bekomme und mir denke, dass ich die eh nicht zufriedenstellend erledigen werde. Dazu kommt noch, dass ich noch sehr langsam arbeite.
Außerdem stört mich, dass die Erwartungshaltung ist, dass die meisten Aufgaben am gleichen Tag fertig werden, egal, wie lange man dran sitzt und egal, ob sie dringend sind oder nicht. Teilweise wird künstlicher Stress erzeugt, indem gesagt wird, dass die Sache morgen früh beim Partner auf dem Tisch liegen soll und dann schaut er sie sich frühestens eine Woche später an. Und wenn ich dann zB bei einer nicht dringenden Aufgabe um 21 Uhr Schluss mache, dann habe ich ein schlechtes Gewissen und denke mir, dass ich ungeeignet bin und eigentlich noch mehr Engagement zeigen müsste.
Mich stört auch, dass, egal wie gut mein Selbstbewusstsein an dem Tag ist, ich immer im Laufe des Tages das Gefühl bekomme, dumm zu sein, nicht ordentlich, nicht schnell, nicht gut genug zu arbeiten.
Wem geht es noch so? Gibt es Tipps? Geht das Gefühl irgendwann weg? Gewöhnt man sich einfach nur dran? Manchmal sehne ich mich nach einem Job, bei dem ich weiß, was ich mache und bei dem ich nicht andauernd kritisiert werde.
Ernsthafte Frage: was hast du denn erwartet?
Ich kenne das noch aus WiMi Zeiten bei Tier1 und das war genau der Grund warum ich das nicht gemacht habe.
Was du da beschreibst ist bei fast allen Großkanzleien Standard. Sei froh dass du überhaupt Feedback in dieser Form bekommst. Du wirst die ersten 1-3 Jahre je nach Führungsstil des Partners jedes Mal redlines zurück bekommen.
Kann das hier komplett so unterschreiben. Man musste teilweise "froh" sein, überhaupt so Feedback zu bekommen, hat sich dann oft selbst Redlines gezogen um zu schauen, was anders ist und was davon fachlich anders sein musste bzw was einfach Geschmack des Partners ist (den man dann aber auch versucht, zu verinnerlichen und fürs nächste Mal zu übernehmen).
Und ja, man sitzt dann da bis 21, 22, 23 Uhr um Dinge fertig zu bekommen, die vielleicht erst später vom Partner angeschaut werden. Du hast als 1st year aber nicht die Übersicht, was wann wie vielleicht beim Mandanten sein soll. Vielleicht liest es sich der Partner auch schon mal durch morgens, hat einen kurzen Call mit dem Mandanten zum Thema und schickt dir aber erst 2 Tage später Kommentare.
Gerade als 1st year und gerade in Tier1 wirst du nicht für deine Einschätzung von Dingen bezahlt, sondern schlicht für deine availability und ganz runtergebrochen für die Quantität deiner Stunden. Wenn du das heute noch erledigst und um 23 Uhr dann 12 Billables auf der Uhr hast, kannst du morgen wieder 12 Billables auf neue Sachen schrubben.









