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  5. Mehrwert Erfahrung Wiss. Mit. Großkanzlei vs. kleinere Kanzlei
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Mehrwert Erfahrung Wiss. Mit. Großkanzlei vs. kleinere Kanzlei
FriedrichGottlobNagelmann
Junior Member
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Beiträge: 2
Themen: 1
Registriert seit: Aug 2026
#1
20.08.2026, 21:52
Hallo liebes Forum,

ich habe vor Kurzem das 1. StEx mit 10,7 Punkten (staatlich: 10 glatt) bestanden (yey!!) und suche gerade nach Wiss. Mit.-Stellen neben der Promotion.

Wie relevant ist es für das spätere Berufsleben als Wiss. Mit. in einer Großkanzlei gearbeitet zu haben?

An meinem Wohnort sieht es mit Großkanzleien eher mau aus, sodass ich ca. 1h zur nächsten Stadt pendeln müsste, in der viele GK's einen Standort haben.
Dagegen gibt es zwei kleinere spezialisierte Kanzleien (jeweils ca. 10 Berufsträger) in dem Ort, die gut zu meinem bisherigen fachlichen Profil passen würden.
Allerdings kann ich schlecht einschätzen, welchen Mehrwert es für das spätere Berufsleben hat, als Wiss. Mit. in einer GK (und nicht "nur" einer kleineren Kanzlei) gearbeitet zu haben. Langfristig sehe ich mich eher im Bereich Verwaltung als in der Anwaltschaft.

Danke im Voraus und liebe Grüße,
Friedrich Gottlob Nagelmann
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Patenter Gast
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Beiträge: 772
Themen: 0
Registriert seit: Oct 2022
#2
21.08.2026, 14:58
top 1: Langfristig ist immer nett aber ich habe so viele Leute schon ihren Plan ändern gesehen. Daher sollte man sich erstmal viele Optionen offen halten.

top 2: Bei der Frage GK oder kleine Kanzlei geht es weniger um die persönliche Lernerfahrung, sondern mehr um den Punkt, dass du ein "bekannt und bewährt" schaffen kannst. Mit der Kombi 10P + Dr + bekannt aus WiMi-Tätigkeit übernehmen viele GKs später und sind deutlich flexibler bei der Note des zweiten Examens. 

Jetzt hast du die gute Note und solltest daraus Kapital schlagen, d.h. ein paar Anker für deinen Lebenslauf schaffen. Die sind später nicht dafür da, wenn du nochmal 10 Punkte schaffst. Mit doppel-vb und Dr. hättest du auch fünf Jahre bei Rewe an der Kasse arbeiten können (oder gar nichts). Es geht darum, dass du etwas hast, wenn du im zweiten mit 6,7 rausgehst.

PS: Wenn die kleinere Kanzlei vor Ort natürlich einen nationalen Ruf hat, sieht es anders aus. Wenn es sich aber einfach nur um eine auf (sagen wir mal) Steuerrecht spezialisierte Kanzlei handelt, die aber schon drei Städte weiter niemand mehr kennt, ist das kein Anker im Lebenslauf.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 21.08.2026, 15:00 von Patenter Gast.)
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FriedrichGottlobNagelmann
Junior Member
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Beiträge: 2
Themen: 1
Registriert seit: Aug 2026
#3
21.08.2026, 16:13
(21.08.2026, 14:58)Patenter Gast schrieb:  top 1: Langfristig ist immer nett aber ich habe so viele Leute schon ihren Plan ändern gesehen. Daher sollte man sich erstmal viele Optionen offen halten.

top 2: Bei der Frage GK oder kleine Kanzlei geht es weniger um die persönliche Lernerfahrung, sondern mehr um den Punkt, dass du ein "bekannt und bewährt" schaffen kannst. Mit der Kombi 10P + Dr + bekannt aus WiMi-Tätigkeit übernehmen viele GKs später und sind deutlich flexibler bei der Note des zweiten Examens. 

Jetzt hast du die gute Note und solltest daraus Kapital schlagen, d.h. ein paar Anker für deinen Lebenslauf schaffen. Die sind später nicht dafür da, wenn du nochmal 10 Punkte schaffst. Mit doppel-vb und Dr. hättest du auch fünf Jahre bei Rewe an der Kasse arbeiten können (oder gar nichts). Es geht darum, dass du etwas hast, wenn du im zweiten mit 6,7 rausgehst.

PS: Wenn die kleinere Kanzlei vor Ort natürlich einen nationalen Ruf hat, sieht es anders aus. Wenn es sich aber einfach nur um eine auf (sagen wir mal) Steuerrecht spezialisierte Kanzlei handelt, die aber schon drei Städte weiter niemand mehr kennt, ist das kein Anker im Lebenslauf.
Vielen Dank für deine Einschätzung! Vor allem die Perspektive, sich damit ein Stück weit für das 2. StEx zu "versichern" hatte ich nicht auf dem Schirm und ist ein sehr guter Punkt :) Noch eine Rückfrage zur Anker-Funktion von solchen Stationen: geht es bei dem Anker allgemein darum, dass man damit dann (hoffentlich) schon bewiesen hat, dass man in dem GK-Umfeld arbeiten kann oder auch schon um die jeweilige Spezialisierung (über das jeweilige große Rechtsgebiet [ZR/ÖR/SR] hinaus)?
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Spencer
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Beiträge: 426
Themen: 0
Registriert seit: May 2023
#4
21.08.2026, 23:14
Für mich bestand damals der Reiz darin, nach dem 1. Examen in eine GK reinzuschnuppern und dabei in meiner Wahlfachgruppe (heute Schwerpunktbereich) weitere praktische Erfahrungen zu sammeln. Ein gutes Zeugnis einer renommierten Kanzlei macht sich zudem immer gut im Lebenslauf. Ausserdem war die Bezahlung sehr ordentlich:-) Die 16h/Woche wurden sogar später als hauptberufliche Erfahrungszeit bei der Stufenfestsetzung so anerkannt, als ob ich dort Vollzeit gearbeitet hätte. Im Nachhinein war es ein super Einstieg in das Arbeitsleben in einem sehr netten Team noch ohne große Verantwortung oder Druck.

Definitiv eine tolle Zeit und ein Highlight meiner Ausbildung!
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 21.08.2026, 23:19 von Spencer.)
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BesterJurist
Junior Member
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Beiträge: 3
Themen: 1
Registriert seit: Jul 2026
#5
22.08.2026, 01:00
Ich denke das hängt stark von vielen Faktoren ab.

1. Eine richtige GK in Lebenslauf macht sich immer gut. Außerdem zahlen die meisten 1.000€ pro WAT aufwärts, was neben der Promotion auch bei zwei Tagen oder drei gut reicht. 

2. Wenn Du schon eine Idee hast, welche Praxisgruppe Dich reizt, dann einen tieferen Einblick in die Arbeit und Arbeitsweise zu erhalten ist Gold wert.

3. Wenn Du schon sagst, du siehst dich nicht in der Anwaltschaft ist es vielleicht trotzdem ein Grund sich das Ganze mal von innen anzuschauen. Vielleicht sagt es Dir trotzdem zu.

4. Du musst wissen was Du für ein Typ Jurist bist. Wenn Dir Jura viel Spaß macht, ist M&A vermutlich nichts für Dich. Es gibt aber im Litigation z.B Hochspannende juristische Fragestellungen oder in der laufenden gesellschaftsrechtlichen Beratung.

5. Abwägung zur kleineren Bude: In der GK wirst du vermutlich wenig (außer Litigation) machen, was Dir wirklich fürs 2. Examen hilft (Ausnahmen mag es geben). Wenn die kleineren Einheiten Dir eine sehr praxisnahe Arbeit bieten, wo Du auch einen größeren Beitrag leisten kannst, hat das auch einen eigenen Mehrwert. In der GK bist du als WiMa nach dem 1. sehr weit unten in der Nahrungskette und ausschließlich im Backoffice. Das kann man mögen oder nicht. Ist typ Sache.
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Praktiker
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Beiträge: 2.275
Themen: 0
Registriert seit: Apr 2021
#6
22.08.2026, 07:20
Ich wollte immer in die Justiz und sicher nicht in die Großkanzlei. War deshalb (allerdings im Ref) in einer KK, durfte viele Fälle selbst machen und sogar allein vor Gericht auftreten (das wäre in der GK sicher nicht gegangen ;) ). Mir hat's fürs Examen geholfen, und der Justiz ist es egal was man vorher gemacht hat. Wäre alles anders gekommen wäre es natürlich anders besser gewesen.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 22.08.2026, 07:21 von Praktiker.)
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Patenter Gast
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Beiträge: 772
Themen: 0
Registriert seit: Oct 2022
#7
24.08.2026, 09:11
(21.08.2026, 16:13)FriedrichGottlobNagelmann schrieb:  
(21.08.2026, 14:58)Patenter Gast schrieb:  top 1: Langfristig ist immer nett aber ich habe so viele Leute schon ihren Plan ändern gesehen. Daher sollte man sich erstmal viele Optionen offen halten.

top 2: Bei der Frage GK oder kleine Kanzlei geht es weniger um die persönliche Lernerfahrung, sondern mehr um den Punkt, dass du ein "bekannt und bewährt" schaffen kannst. Mit der Kombi 10P + Dr + bekannt aus WiMi-Tätigkeit übernehmen viele GKs später und sind deutlich flexibler bei der Note des zweiten Examens. 

Jetzt hast du die gute Note und solltest daraus Kapital schlagen, d.h. ein paar Anker für deinen Lebenslauf schaffen. Die sind später nicht dafür da, wenn du nochmal 10 Punkte schaffst. Mit doppel-vb und Dr. hättest du auch fünf Jahre bei Rewe an der Kasse arbeiten können (oder gar nichts). Es geht darum, dass du etwas hast, wenn du im zweiten mit 6,7 rausgehst.

PS: Wenn die kleinere Kanzlei vor Ort natürlich einen nationalen Ruf hat, sieht es anders aus. Wenn es sich aber einfach nur um eine auf (sagen wir mal) Steuerrecht spezialisierte Kanzlei handelt, die aber schon drei Städte weiter niemand mehr kennt, ist das kein Anker im Lebenslauf.
Vielen Dank für deine Einschätzung! Vor allem die Perspektive, sich damit ein Stück weit für das 2. StEx zu "versichern" hatte ich nicht auf dem Schirm und ist ein sehr guter Punkt :) Noch eine Rückfrage zur Anker-Funktion von solchen Stationen: geht es bei dem Anker allgemein darum, dass man damit dann (hoffentlich) schon bewiesen hat, dass man in dem GK-Umfeld arbeiten kann oder auch schon um die jeweilige Spezialisierung (über das jeweilige große Rechtsgebiet [ZR/ÖR/SR] hinaus)?

Der beste Fall ist natürlich GK + passende Spezialisierung. Aber auch ein gutes Zeugnis von einer bekannten GK hilft manchmal schon weiter.
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