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Minderwertigkeitskomplexe in GK
Leo
Junior Member
**
Beiträge: 6
Themen: 3
Registriert seit: Nov 2025
#1
18.02.2026, 09:50
Moin in die Runde, ich arbeite nun seit zwei Monaten in einer GK und fühle mich einfach durchgehend zu dumm für diesen Job. Ich empfinde meine Kolleginnen und Kollegen allesamt für deutlich qualifizierter als mich (ich habe 2x zweistelliges VB und einen LLM von einer US-amerikanischen Uni). Es tummeln sich doch die ein oder anderen krassen Überflieger in solchen Kanzleien und ich frage mich regelmäßig, warum ich überhaupt eingestellt wurde. Auch wenn mir selbst von Kollegen häufig gesagt wird „fake it until you make it“, fühlt es sich an, als würde ich nur „faken“ - bis es irgendwann auffällt, dass ich intellektuell mit meinen Kollegen gar nicht mithalten kann. Der Arbeitsmarkt ist derzeit sehr angespannt und ich habe mittlerweile von mehreren Bewerbern für unser Team gehört, die (ua aus Kapa-Gründen) abgelehnt wurden. Nun sitze ich hier und denke, dass die vermutlich die besseren Anwälte gewesen wären… besonders schlecht fühle ich mich, wenn ich die Gehaltsabrechnung sehe und sehe, was für Unsummen für mich ausgegeben werden. (Btw besser wurde das nicht dadurch, dass ein angelehnter Bewerber (und Bekannter) zu mir meinte, ich sei nur genommen worden, weil der zuständige Partner, der sie abgelehnt hat, gerade im Urlaub war als ich meine Vorstellungsgespräche hatte… Danke für nichts.)

Ich weiß, am Anfang ist alles neu, man kennt die Abläufe nicht, macht Fehler, lernt usw. Aber ist es normal, dass man sich konstant dumm und fehl am Platz fühlt? Ich bin mit den allermeisten Aufgaben, die an mich herangetragen werden, erst einmal komplett überfordert. Andererseits habe ich mir immer geschworen, zumindest in eine begrenzte Zeit in eine GK zu gehen, um mir selbst zu beweisen, dass ich es schaffe.
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Bayjur
Junior Member
**
Beiträge: 16
Themen: 2
Registriert seit: Aug 2023
#2
18.02.2026, 18:52
Kurz und knapp: ja.

Bist du denn in einem Rechtsgebiet, mit dem man vorher nicht oder nur begrenzt zu tun hatte? Das ist völlig normal beim Berufseinstieg, gerade, wenn noch ein unbekanntes Rechtsgebiet dazukommt. Auch die Aufgaben sind gerade in der GK oft andere als ein Urteil oder Gutachten zu schreiben. Als bei mir am Anfang jemand zu mir kam und meinte ich soll doch bitte mal XY entwerfen, hatte ich auch null Plan. Dass man sich erstmal durchkämpft gehört dazu.

Natürlich hat man als Berufseinsteiger auch naturgemäß einen Wissensrückstand gegenüber den Kollegen mit Berufserfahrung. Das kommt eben mit der Zeit und nach zwei Jahren merkt man dann selbst (gegenüber Einsteigern), dass man ja mittlerweile doch einiges kann und weiß.

Und zum Gehalt: am Ende des Geschäftsjahres wirst auch du auf ein Salary Multiple von mindestens ~2 kommen.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 18.02.2026, 18:55 von Bayjur.)
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Bln2024
Member
***
Beiträge: 96
Themen: 4
Registriert seit: Jun 2024
#3
19.02.2026, 14:24
Das ist ganz normal und ging bzw. geht mir auch so. Bedenke, dass man sich als First Year bei Verständnisproblemen nicht verstecken sollte. Aus meiner Sicht ist es ganz normal, dass Du im ersten Jahr Zusammenhänge nicht verstehst. Wenn Du aber mangels Nachfragen auch im 2/3. Jahr diese Sachen nicht verstehst, dann legt man es Dir schon durchaus negativ aus. Daher nutze das auch, um ehrlich zu fragen. Sei es den Partner oder Senior Associates.

Hinsichtlich des Gehalts... naja! Du hast wrsl. eine Billable-Vorgabe von 1750-1850 im Jahr. Selbst wenn Du nur 1000 schaffst im ersten Jahr, dann multipliziere das mal mit Deinem durchschnittl. Stundensatz (wrsl. ca. 450 EUR).Dann hast Du selbst bei 1000 Billables schon 450K Umsatz gemacht und Dein Bruttogehalt aus Arbeitgebersicht locker zweifach reingeholt. Würde mich da nicht stressen.
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Greif
Member
***
Beiträge: 185
Themen: 0
Registriert seit: Jun 2023
#4
19.02.2026, 14:58
(19.02.2026, 14:24)Bln2024 schrieb:  Das ist ganz normal und ging bzw. geht mir auch so. Bedenke, dass man sich als First Year bei Verständnisproblemen nicht verstecken sollte. Aus meiner Sicht ist es ganz normal, dass Du im ersten Jahr Zusammenhänge nicht verstehst. Wenn Du aber mangels Nachfragen auch im 2/3. Jahr diese Sachen nicht verstehst, dann legt man es Dir schon durchaus negativ aus. Daher nutze das auch, um ehrlich zu fragen. Sei es den Partner oder Senior Associates.

Hinsichtlich des Gehalts... naja! Du hast wrsl. eine Billable-Vorgabe von 1750-1850 im Jahr. Selbst wenn Du nur 1000 schaffst im ersten Jahr, dann multipliziere das mal mit Deinem durchschnittl. Stundensatz (wrsl. ca. 450 EUR).Dann hast Du selbst bei 1000 Billables schon 450K Umsatz gemacht und Dein Bruttogehalt aus Arbeitgebersicht locker zweifach reingeholt. Würde mich da nicht stressen.

Billable hours sind nicht gleich billed hours sind nicht gleich paid hours...
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Bayjur
Junior Member
**
Beiträge: 16
Themen: 2
Registriert seit: Aug 2023
#5
19.02.2026, 23:38
(19.02.2026, 14:58)Greif schrieb:  
(19.02.2026, 14:24)Bln2024 schrieb:  Das ist ganz normal und ging bzw. geht mir auch so. Bedenke, dass man sich als First Year bei Verständnisproblemen nicht verstecken sollte. Aus meiner Sicht ist es ganz normal, dass Du im ersten Jahr Zusammenhänge nicht verstehst. Wenn Du aber mangels Nachfragen auch im 2/3. Jahr diese Sachen nicht verstehst, dann legt man es Dir schon durchaus negativ aus. Daher nutze das auch, um ehrlich zu fragen. Sei es den Partner oder Senior Associates.

Hinsichtlich des Gehalts... naja! Du hast wrsl. eine Billable-Vorgabe von 1750-1850 im Jahr. Selbst wenn Du nur 1000 schaffst im ersten Jahr, dann multipliziere das mal mit Deinem durchschnittl. Stundensatz (wrsl. ca. 450 EUR).Dann hast Du selbst bei 1000 Billables schon 450K Umsatz gemacht und Dein Bruttogehalt aus Arbeitgebersicht locker zweifach reingeholt. Würde mich da nicht stressen.

Billable hours sind nicht gleich billed hours sind nicht gleich paid hours...

Ist schon klar. Am Ende holt er genug Geld rein, um sein Gehalt als First year zu rechtfertigen, das ist der Punkt.
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Greif
Member
***
Beiträge: 185
Themen: 0
Registriert seit: Jun 2023
#6
21.02.2026, 13:05
(19.02.2026, 23:38)Bayjur schrieb:  
(19.02.2026, 14:58)Greif schrieb:  
(19.02.2026, 14:24)Bln2024 schrieb:  Das ist ganz normal und ging bzw. geht mir auch so. Bedenke, dass man sich als First Year bei Verständnisproblemen nicht verstecken sollte. Aus meiner Sicht ist es ganz normal, dass Du im ersten Jahr Zusammenhänge nicht verstehst. Wenn Du aber mangels Nachfragen auch im 2/3. Jahr diese Sachen nicht verstehst, dann legt man es Dir schon durchaus negativ aus. Daher nutze das auch, um ehrlich zu fragen. Sei es den Partner oder Senior Associates.

Hinsichtlich des Gehalts... naja! Du hast wrsl. eine Billable-Vorgabe von 1750-1850 im Jahr. Selbst wenn Du nur 1000 schaffst im ersten Jahr, dann multipliziere das mal mit Deinem durchschnittl. Stundensatz (wrsl. ca. 450 EUR).Dann hast Du selbst bei 1000 Billables schon 450K Umsatz gemacht und Dein Bruttogehalt aus Arbeitgebersicht locker zweifach reingeholt. Würde mich da nicht stressen.

Billable hours sind nicht gleich billed hours sind nicht gleich paid hours...

Ist schon klar. Am Ende holt er genug Geld rein, um sein Gehalt als First year zu rechtfertigen, das ist der Punkt.

Mein Punkt ist, dass das eben nicht so klar ist, wie du es einfach unterstellst. Wenn man als first year nicht "genug" billables hat (und ja, das kann auch daran liegen, dass der Senior/der Partner merkt, dass da in vertretbarer Zeit nichts Vernünftiges zurückkommt und deswegen die Arbeit woanders hingibt), ist das eben nicht so und man wird höflich gebeten, sich etwas Neues zu suchen. Oder die Auftragslage ist eben doch zu schlecht. So oder so wird keine Kanzlei jemanden lange mitschleppen, der am Ende netto Geld kostet.
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