24.06.2026, 10:17
Hallo zusammen,
ich überlege, ob ich in einer Boutique anfangen soll, die im Schwerpunkt öffentliches Baurecht und Umweltrecht macht. Baurecht hat mir im Studium und Ref Spaß gemacht, ich habe aber Bedenken, dass mich in der Praxis die technischen Details doch überfordern könnten. Ist zwar schon lange her, aber in der Schule war ich ziemlich schlecht in den Naturwissenschaften und räumliches Denken liegt mir auch nicht gerade...
Wie würdet ihr das einschätzen? Kommt man da einfach mit der Zeit rein und baut das erforderliche Wissen auf oder sollte man ein Mindestmaß an Talent mitbringen? Bin ich dann vielleicht in anderen Gebieten besser aufgehoben?
Freue mich über Antworten!
ich überlege, ob ich in einer Boutique anfangen soll, die im Schwerpunkt öffentliches Baurecht und Umweltrecht macht. Baurecht hat mir im Studium und Ref Spaß gemacht, ich habe aber Bedenken, dass mich in der Praxis die technischen Details doch überfordern könnten. Ist zwar schon lange her, aber in der Schule war ich ziemlich schlecht in den Naturwissenschaften und räumliches Denken liegt mir auch nicht gerade...
Wie würdet ihr das einschätzen? Kommt man da einfach mit der Zeit rein und baut das erforderliche Wissen auf oder sollte man ein Mindestmaß an Talent mitbringen? Bin ich dann vielleicht in anderen Gebieten besser aufgehoben?
Freue mich über Antworten!
26.06.2026, 10:51
Würde mich auch interessieren...
26.06.2026, 11:11
Man kommt in vieles rein. Wichtig ist, dass man an technischen Dingen natürlich ein gewisses Maß an Spaß hat. Und wenn man so unfähig wäre, dass man einen Plan nicht mal richtig herum halten kann, dann wird es irgendwann schwierig. Aber in der Regel ist man an sich selbst kritischer als es die Umstände rechtfertigen würden.
Ich würde mich davon also auf keinen Fall abhalten lassen. Und wenn du nach zwei Jahren merkst, dass du gar nicht zurecht kommst, kannst du immer noch wechseln.
Ich würde mich davon also auf keinen Fall abhalten lassen. Und wenn du nach zwei Jahren merkst, dass du gar nicht zurecht kommst, kannst du immer noch wechseln.
05.07.2026, 23:04
Hat noch jemand ne Einschätzung?
06.07.2026, 08:44
Man muss die technischen Details nicht selbst kennen, dazu gibt es Fachleute. Ein gewisses Maß an Verständnis macht Sinn und ergibt sich durch Erfahrung. Am Anfang hilft man sich mit Literatur „Bauen für Juristen“ etc. Was man können muss, ist die sachverständigen Einschätzungen in den Schriftsatz zu übersetzen und damit zu argumentieren.
06.07.2026, 09:25
(06.07.2026, 08:44)Sesselpupser schrieb: Man muss die technischen Details nicht selbst kennen, dazu gibt es Fachleute. Ein gewisses Maß an Verständnis macht Sinn und ergibt sich durch Erfahrung. Am Anfang hilft man sich mit Literatur „Bauen für Juristen“ etc. Was man können muss, ist die sachverständigen Einschätzungen in den Schriftsatz zu übersetzen und damit zu argumentieren.
+1
Niemand erwartet von dir, dass du DIN 12345, DIN 23456, DIN ... usw. inhaltlich auswendig kennst und anwenden kannst. Du wirst im Laufe der Jahre mit Sicherheit ein ungefähres Verständnis bekommen, was in den wichtigsten steht und worauf es ankommt, aber die Details musst du nicht kennen. Auch brauchst du kein besonderes technisches Verständnis.
Ich habe privat gebaut (betrifft also das private BauR) und bin aktuell beruflich am Rande im UmweltR unterwegs. Privat wie beruflich arbeitet man mit Experten zusammen, die genau dafür da sind, uns Laien die Dinge zu erklären bzw. sie umzusetzen und die Handwerker und Bauarbeiter anzuleiten. Damit hast du als Jurist wenig zu tun. Das ist letztlich nicht viel anders als bei einem Verkehrsunfall, bei dem du ja auch nicht selbst das Auto auf die Hebebühne fährst und drunter schaust. Maximal wärst du als Eigentümer dabei, lässt dir vom Mechaniker ein paar Dinge erklären und nickst zustimmend, weil du sowieso nichts anderes dazu sagen kannst ;-)
19.07.2026, 13:00
Vielen Dank für die Antworten!
Ich hätte noch eine Frage: Würdet ihr sagen, dass es einen großen Unterschied macht, ob man (öffentliches) Baurecht macht, oder ins Fachplanungsrecht kommt? Würde vermuten, dass letzteres noch stärker technisch und gutachterlich geprägt ist, aber kann mir auch nicht wirklich vorstellen, wie die praktische Arbeit aussieht. Ist das noch im Kern juristisch? Sind das meterdicke Akten voller technischer Unterlagen?
Ich hätte noch eine Frage: Würdet ihr sagen, dass es einen großen Unterschied macht, ob man (öffentliches) Baurecht macht, oder ins Fachplanungsrecht kommt? Würde vermuten, dass letzteres noch stärker technisch und gutachterlich geprägt ist, aber kann mir auch nicht wirklich vorstellen, wie die praktische Arbeit aussieht. Ist das noch im Kern juristisch? Sind das meterdicke Akten voller technischer Unterlagen?
Gestern, 19:28
Um mal einen andere Meinung rein zu bringen: Mir hat öffentliches Baurecht im Studium auch ziemlich viel Spaß gemacht. Ich habe dann nach dem ersten Examen als WiMi in einer Kanzlei angefangen und sollte dann auf einmal einen Bebauungsplan auf seine Rechtmäßigkeit prüfen. Vom Partner kam dabei die Aussage, der sei evident rechtswidrig. Ich habe mir die 40 Seiten, die dem Plan Beilagen, angeschaut und ich habe nichts gefunden, was zu beanstanden war. Kommentare waren auch nicht hilfreich. Dann hatte ich auch noch privat mit einer Baugenehmigung zu tun, bei der es um Abweichungen von Festsetzungen bzgl. Grundflächen- und Geschossflächenzahlen ging. Mir persönlich ist danach die Lust auf öffentliches Baurecht ganz schnell wieder vergangen und die ist auch nie mehr wieder gekommen
Vor 8 Stunden
(19.07.2026, 13:00)lex carbonara schrieb: Vielen Dank für die Antworten!Ich mache (öffentliches) Baurecht und würde eher behaupten, dass das Fachplanungsrexht weniger technisch geprägt ist. Die technische Arbeit erledigen dort die anderen Stellen mit der notwendigen Expertise und die rechtssichere Unsetzung ist eher deine Verantwortung. Berührungspunkte verbleiben natürlich, in einer Planungssituation liefern dir die Beteiligten aus Eigeninteresse aber viel eher die notwendigen Informationen. Deine Aufgabe ist es eher, sauber abzuwägen und auf das Verfahren zu achten.
Ich hätte noch eine Frage: Würdet ihr sagen, dass es einen großen Unterschied macht, ob man (öffentliches) Baurecht macht, oder ins Fachplanungsrecht kommt? Würde vermuten, dass letzteres noch stärker technisch und gutachterlich geprägt ist, aber kann mir auch nicht wirklich vorstellen, wie die praktische Arbeit aussieht. Ist das noch im Kern juristisch? Sind das meterdicke Akten voller technischer Unterlagen?
In Anfechtungssituationen oder bei Baumängeln ist das anders: Meist beschreibt dir ein Mandant am Telefon nach dem ersten Mailkontakt ausführlich den teils irrelevanten Sachverhalt. Die weitere Ermittlung der (technischen) Details obliegt leider dir als technischer Laie. Das lernst du mit Eigeninteresse und Berufserfahrung. Die anderen haben auch nicht anders angefangen. Ob dir das liegt und Freude bereitet hast du am besten im Ref erleben können oder musst du einfach ausprobieren. Viel Erfolg!










