Gestern, 22:16
Beeinflussen eure Examensnoten euren Selbstwert oder eure berufliche/fachliche Selbstwahrnehmung?
Bringt ihr die Leistungen mancher Kollegen manchmal mit ihren Noten in Verbindung? Denkt ihr euch manchmal "der hat bestimmt die und die Note"?
Hintergrund meiner Frage ist, dass ich mich nach einem halben Jahr nach dem Ref immer noch nicht von diesem Notenwahnsinn erholt habe. Mir gelingt es nicht, das Vertrauen in meine Fähigkeiten von den Noten zu entkoppeln und ich frage mich oft, ob Außenstehende meine Fehler gleich mit meinen Noten in Verbindung setzen. Ich habe eine innere Schutz-/Abwehrhaltung, weil ich befürchte, dass andere mich vorschnell in „leistungsfähig / nicht leistungsfähig“ einordnen. Neutrale Bemerkungen interpretiere ich dann oft als Bewertung.
Wenn ich das hier so schreibe, merke ich, wie krank das eigentlich ist. Ich frage mich, ob mich das jetzt bis ans Lebensende verfolgen wird. Wie geht es euch damit? Wann wurde es besser, falls ihr dasselbe Problem hattet?
Bringt ihr die Leistungen mancher Kollegen manchmal mit ihren Noten in Verbindung? Denkt ihr euch manchmal "der hat bestimmt die und die Note"?
Hintergrund meiner Frage ist, dass ich mich nach einem halben Jahr nach dem Ref immer noch nicht von diesem Notenwahnsinn erholt habe. Mir gelingt es nicht, das Vertrauen in meine Fähigkeiten von den Noten zu entkoppeln und ich frage mich oft, ob Außenstehende meine Fehler gleich mit meinen Noten in Verbindung setzen. Ich habe eine innere Schutz-/Abwehrhaltung, weil ich befürchte, dass andere mich vorschnell in „leistungsfähig / nicht leistungsfähig“ einordnen. Neutrale Bemerkungen interpretiere ich dann oft als Bewertung.
Wenn ich das hier so schreibe, merke ich, wie krank das eigentlich ist. Ich frage mich, ob mich das jetzt bis ans Lebensende verfolgen wird. Wie geht es euch damit? Wann wurde es besser, falls ihr dasselbe Problem hattet?
Vor 10 Stunden
(Gestern, 22:16)RefHessen23 schrieb: Beeinflussen eure Examensnoten euren Selbstwert oder eure berufliche/fachliche Selbstwahrnehmung?
Bringt ihr die Leistungen mancher Kollegen manchmal mit ihren Noten in Verbindung? Denkt ihr euch manchmal "der hat bestimmt die und die Note"?
Hintergrund meiner Frage ist, dass ich mich nach einem halben Jahr nach dem Ref immer noch nicht von diesem Notenwahnsinn erholt habe. Mir gelingt es nicht, das Vertrauen in meine Fähigkeiten von den Noten zu entkoppeln und ich frage mich oft, ob Außenstehende meine Fehler gleich mit meinen Noten in Verbindung setzen. Ich habe eine innere Schutz-/Abwehrhaltung, weil ich befürchte, dass andere mich vorschnell in „leistungsfähig / nicht leistungsfähig“ einordnen. Neutrale Bemerkungen interpretiere ich dann oft als Bewertung.
Wenn ich das hier so schreibe, merke ich, wie krank das eigentlich ist. Ich frage mich, ob mich das jetzt bis ans Lebensende verfolgen wird. Wie geht es euch damit? Wann wurde es besser, falls ihr dasselbe Problem hattet?
Das bessert sich spätestens im Berufsalltag. Die Noten deines Gegenübers kennst du dann gar nicht und deine kennt es auch nicht. Außerdem zählen in der Praxis auch andere Kompetenzen mit als die im Examen abgeprüften.
Vor 9 Stunden
Moin! Damit bist Du nicht allein. Ich habe mich erst für das knappe Verpassen des VB im 1. Examen und dann für mein niedriges B im 2. Examen sehr geschämt. Letztlich war diese miese Note für meine Persönlichkeitsentwicklung und das von Dir genannte Verhalten das Beste was mir passieren konnte:
1. Die Note bildet deine Fähigkeiten nur zum Teil ab. Ich arbeite (neben dem Verbesserungsversuch) in einer Boutique und bekomme (wie auch in teils sehr anspruchsvollen beruflichen Stationen zuvor) sehr gutes Feedback. Einer der Partner hatte auch kein super Examen, ist aber super erfolgreich in seinem Rechtsgebiet und hat Mandate im GK-Format. Vielleicht konnte er keinen guten Bescheid schreiben, vielleicht war seine Anklageschrift nicht perfekt. Juckt niemanden. Er ist ein super Wirtschaftsanwalt. Abseits der Bubble der guten Volljuristen interessiert die Note noch weniger. Ein Bekannter hat das erste Examen mit "ausreichend" bestanden und das Ref nie gemacht. Er ist jetzt Abteilungsleiter in einem großen Unternehmen. Mein Onkel verdient mit 2x ausreichend in einem Beratungsunternehmen mehr als die meisten Doppel-VB-Absolventen in Kanzleien. Es kommt (selbst in Jura) auf mehr als Noten an.
2. Gerade nach dem Ref muss man lernen sich vom Beruf zu distanzieren. Man sollte den Beruf ernst nehmen (wir tragen viel Verantwortung), aber von Ausnahmefällen abgesehen geht es nur um Geld. Gerade in der GK stirbt niemand, wenn Du mal einen Fehler machst. Wir sind keine Ärzte, Feuerwehrmänner oder Offiziere. Lern aus deinen Fehlern und mach den Beruf so gut wie möglich, aber am Ende sind 99% der Fehler korrigierbar oder schlimmstenfalls ein Haftungsfall. Die meisten Fehler kommen Dir in dem Moment schlimm vor, sind aber bald vergessen.
3. Du bist mehr als deine Note. Ich habe mich selber immer als "Ich heiße X und arbeite bei Y (hier GK etc. einfügen, die eine gewisse Note impliziert)" vorgestellt. Ich habe Job/Note als Teil meiner Identität und damit als wertbildend angesehen. Gerade in der GK/Uni-Bubble passiert das leicht. Weder Note noch Beruf definieren deinen Wert als Mensch. Mein Opa war normaler Mitarbeiter der Bahn und trotzdem war die größte Kirche der Stadt zu klein für die Beerdigung. Einfach weil er ein guter Mensch war. Niemand liebt Dich für deine Note oder deine Performance im Job. Also nimm sie nicht zu wichtig (nur meine Meinung). Du musst deinen Wert abseits des Berufs sehen.
1. Die Note bildet deine Fähigkeiten nur zum Teil ab. Ich arbeite (neben dem Verbesserungsversuch) in einer Boutique und bekomme (wie auch in teils sehr anspruchsvollen beruflichen Stationen zuvor) sehr gutes Feedback. Einer der Partner hatte auch kein super Examen, ist aber super erfolgreich in seinem Rechtsgebiet und hat Mandate im GK-Format. Vielleicht konnte er keinen guten Bescheid schreiben, vielleicht war seine Anklageschrift nicht perfekt. Juckt niemanden. Er ist ein super Wirtschaftsanwalt. Abseits der Bubble der guten Volljuristen interessiert die Note noch weniger. Ein Bekannter hat das erste Examen mit "ausreichend" bestanden und das Ref nie gemacht. Er ist jetzt Abteilungsleiter in einem großen Unternehmen. Mein Onkel verdient mit 2x ausreichend in einem Beratungsunternehmen mehr als die meisten Doppel-VB-Absolventen in Kanzleien. Es kommt (selbst in Jura) auf mehr als Noten an.
2. Gerade nach dem Ref muss man lernen sich vom Beruf zu distanzieren. Man sollte den Beruf ernst nehmen (wir tragen viel Verantwortung), aber von Ausnahmefällen abgesehen geht es nur um Geld. Gerade in der GK stirbt niemand, wenn Du mal einen Fehler machst. Wir sind keine Ärzte, Feuerwehrmänner oder Offiziere. Lern aus deinen Fehlern und mach den Beruf so gut wie möglich, aber am Ende sind 99% der Fehler korrigierbar oder schlimmstenfalls ein Haftungsfall. Die meisten Fehler kommen Dir in dem Moment schlimm vor, sind aber bald vergessen.
3. Du bist mehr als deine Note. Ich habe mich selber immer als "Ich heiße X und arbeite bei Y (hier GK etc. einfügen, die eine gewisse Note impliziert)" vorgestellt. Ich habe Job/Note als Teil meiner Identität und damit als wertbildend angesehen. Gerade in der GK/Uni-Bubble passiert das leicht. Weder Note noch Beruf definieren deinen Wert als Mensch. Mein Opa war normaler Mitarbeiter der Bahn und trotzdem war die größte Kirche der Stadt zu klein für die Beerdigung. Einfach weil er ein guter Mensch war. Niemand liebt Dich für deine Note oder deine Performance im Job. Also nimm sie nicht zu wichtig (nur meine Meinung). Du musst deinen Wert abseits des Berufs sehen.
Vor 8 Stunden
(Gestern, 22:16)RefHessen23 schrieb: Beeinflussen eure Examensnoten euren Selbstwert oder eure berufliche/fachliche Selbstwahrnehmung?
Bringt ihr die Leistungen mancher Kollegen manchmal mit ihren Noten in Verbindung? Denkt ihr euch manchmal "der hat bestimmt die und die Note"?
Hintergrund meiner Frage ist, dass ich mich nach einem halben Jahr nach dem Ref immer noch nicht von diesem Notenwahnsinn erholt habe. Mir gelingt es nicht, das Vertrauen in meine Fähigkeiten von den Noten zu entkoppeln und ich frage mich oft, ob Außenstehende meine Fehler gleich mit meinen Noten in Verbindung setzen. Ich habe eine innere Schutz-/Abwehrhaltung, weil ich befürchte, dass andere mich vorschnell in „leistungsfähig / nicht leistungsfähig“ einordnen. Neutrale Bemerkungen interpretiere ich dann oft als Bewertung.
Wenn ich das hier so schreibe, merke ich, wie krank das eigentlich ist. Ich frage mich, ob mich das jetzt bis ans Lebensende verfolgen wird. Wie geht es euch damit? Wann wurde es besser, falls ihr dasselbe Problem hattet?
Es verfolgt einen nicht mehr, wird mit größerer zeitlicher Distanz immer unwichtiger, es wird einem gleichgültiger. Tatsächliche Leistungen in der Praxis, also im realen Leben, sagen viel mehr aus. Und das ist ehrlicherweise das Entscheidende.
Und trotzdem: der Notenkult ist real und ich reproduziere ihn selbst. Wenn ich einen Kollegen „in voller Kriegsbemalung“ sehe, komme ich nicht umhin die überdurchschnittlichen Leistungen die dieser Kollege erzielt hat zu respektieren. Gerade weil Studium und Ausbildung so ätzend waren.
Entscheidend sind und bleiben aber die tatsächlichen Leistungen, nicht die Klausurenergebnisse und die Performance während der mündlichen im zweiten.
Vor 8 Stunden
Persönliche Erfahrung: Sobald du im Beruf angekommen bist, interessieren deine Examensnoten im Allgemeinen einen feuchten Kehricht. Ich weiß von keinen meiner Kolleginnen und Kollegen (abgesehen von einem, den ich schon aus dem Ref kannte), welche Ergebnisse die wohl in ihren Examina erzielt haben, und es ist für die tägliche Arbeit auch vollkommen irrelevant. Was ich schon für gut möglich halte, ist, dass besonders gute Examensnoten sich bei dienstlichen Beurteilungen tendenziell positiv auswirken, im Sinne von "Vorschusslorbeeren". Aber das ist etwas, worüber ohnehin nur die jeweiligen Dienstvorgesetzten Bescheid wissen, und nicht überzeugende Leistungen im Dienst wird man damit auch nicht kompensieren können. Also am besten keinen Kopf um irgendwelche Noten machen. Die Examensnote ist nur eine Eintrittskarte in den Beruf und danach kräht da jedenfalls nach meiner Erfahrung kein Hahn mehr nach.


