16.04.2025, 10:29
Ich interessiere mich für einen authentischen Erfahrungsbericht in einer Versicherungskanzlei, z.B.
- BLD
- Dr. Eicke und Partner
Leider kann man Karriereseiten und Versprechungen nicht glauben :/.
Ich bin bereit, auch ein niedrigeres Gehalt in Kauf zu nehmen, wenn ich dafür noch Freizeit für meine Hobbys und genug Urlaub habe. Noten sind mit 2x ca. 10,5 Punkten kein Problem, aber Berufsanfänger (frisch aus dem Ref).
Was ist die realistische Arbeitszeit bei einer Versicherungskanzlei? (von der Einarbeitungsphase mal abgesehen).
- BLD
- Dr. Eicke und Partner
Leider kann man Karriereseiten und Versprechungen nicht glauben :/.
Ich bin bereit, auch ein niedrigeres Gehalt in Kauf zu nehmen, wenn ich dafür noch Freizeit für meine Hobbys und genug Urlaub habe. Noten sind mit 2x ca. 10,5 Punkten kein Problem, aber Berufsanfänger (frisch aus dem Ref).
Was ist die realistische Arbeitszeit bei einer Versicherungskanzlei? (von der Einarbeitungsphase mal abgesehen).
16.04.2025, 11:52
Es ist schon sehr unterschiedlich, was so allgemein unter "Versicherungsrecht" verstanden wird. Die wichtigste Unterscheidung ist hier wohl "Deckung" und "Haftung". "Deckung" ist Vertragsrecht und Auslegung von Versicherungsbedingungen, im Bereich der "Haftung" bewegst du dich in dem Rechtsgebiet, der dem jeweiligen Schadensfall zu Grunde liegt (Verkehrsrecht, VSP, Baurecht, Anwaltshaftung etc) mit mehr (D&O) oder weniger (VSP, Baurecht) versicherungsrechtlichen Einschlägen. Dementsprechend unterscheiden sich auch die von dir genannten Kanzleien:
Eick habe ich bislang nur im Haftungsbereich (Verkehrs- und Baurecht) erlebt, keine Ahnung ob die überhaupt Deckung machen. BLD ist die größte und eine Full-Service-Kanzlei für Versicherer, die alles von Haftung über Deckung bis zu aufsichtsrechtlicher Beratung machen, dementsprechend unterscheiden sich die Stellen, Gehälter und die Schwierigkeit der Materie nicht unerheblich. Dann gibt es noch andere versicherungsrechtlich spezialisierre Kanzleien wie Clyde oder Kanzleien, die neben anderen Sachen auch Versicherungsrecht anbieten (DLA, Heuking).
Dementsprechend unterschiedlich ist natürlich der eigene Aufgabenbereich und die Arbeitszeiten, die auch viel von dem Partner abhängt (und den Fällen, die er an Land zieht). Ich selbst habe zwischen 45 und 53 Wochenstunden gearbeitet, allerdings nie am Wochenende.
Ich selbst finde das Versicherungsrecht sehr spannend, da es vielfältig und sehr prozesslastig ist.
Eick habe ich bislang nur im Haftungsbereich (Verkehrs- und Baurecht) erlebt, keine Ahnung ob die überhaupt Deckung machen. BLD ist die größte und eine Full-Service-Kanzlei für Versicherer, die alles von Haftung über Deckung bis zu aufsichtsrechtlicher Beratung machen, dementsprechend unterscheiden sich die Stellen, Gehälter und die Schwierigkeit der Materie nicht unerheblich. Dann gibt es noch andere versicherungsrechtlich spezialisierre Kanzleien wie Clyde oder Kanzleien, die neben anderen Sachen auch Versicherungsrecht anbieten (DLA, Heuking).
Dementsprechend unterschiedlich ist natürlich der eigene Aufgabenbereich und die Arbeitszeiten, die auch viel von dem Partner abhängt (und den Fällen, die er an Land zieht). Ich selbst habe zwischen 45 und 53 Wochenstunden gearbeitet, allerdings nie am Wochenende.
Ich selbst finde das Versicherungsrecht sehr spannend, da es vielfältig und sehr prozesslastig ist.
16.04.2025, 17:46
Vielen Dank für deine Antwort, Ceylon!
Mich würde dann wohl eher die "Haftung" interessieren. Wie du finde ich die Prozesslastigkeit spannend! Es ist immer eine schöne Abwechslung, wenn man nicht nur vom Computer sitzen muss, sondern jede Woche auch Gerichtstermine hat.
DLA, Heuking und Clyde schaue ich mir auch mal an! Danke für den Hinweis!
45-53h klingen ja grundsätzlich in Ordnung. War das dann bei BLD?
Mich würde dann wohl eher die "Haftung" interessieren. Wie du finde ich die Prozesslastigkeit spannend! Es ist immer eine schöne Abwechslung, wenn man nicht nur vom Computer sitzen muss, sondern jede Woche auch Gerichtstermine hat.
DLA, Heuking und Clyde schaue ich mir auch mal an! Danke für den Hinweis!
45-53h klingen ja grundsätzlich in Ordnung. War das dann bei BLD?
24.04.2026, 08:05
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Hat hier noch jemand Erfahrungen zu BLD oder anderen Versicherungskanzleien?
Hat hier noch jemand Erfahrungen zu BLD oder anderen Versicherungskanzleien?
25.04.2026, 23:47
Ich kann das, was Ceylon geschrieben hat für BLD aus meinem Freundes-/Bekanntenkreis bestätigen. Vieles hängt konkret wie wahrscheinlich überall von Standort / Partner / Fachgebiet / eigener Erfahrung/ Ambitionen / Konjunktur ab. Du kannst da zu zivilen Zeiten arbeiten (9-19 Uhr), ohne dass du da schräg angeschaut wirst, wenn du dann gehst. Je nach Erfahrung / Fachgebiet und Konjunktur gibt es aber natürlich Phasen, wo du dir potenziell ein Eigentor schießt, wenn du früh gehst, weil viel zu tun ist - Wenn du dann am Abend früh gehst, wartet halt mehr am Morgen auf dich… das ist letztlich wie überall. BLD ist keine klassische GK, wo abends jeden Tag noch viele Leute lange sitzen, von daher könnte das zu deinen Vorstellungen passen- Clyde, DLA, Heuking sind da wohl anders - zahlen grds. ja auch mehr … Welcher Standort / Region interessiert dich denn für VersicherungsR - Köln/Düsseldorf?
29.04.2026, 19:55
(25.04.2026, 23:47)Sir Wilfrid Robarts schrieb: Ich kann das, was Ceylon geschrieben hat für BLD aus meinem Freundes-/Bekanntenkreis bestätigen. Vieles hängt konkret wie wahrscheinlich überall von Standort / Partner / Fachgebiet / eigener Erfahrung/ Ambitionen / Konjunktur ab. Du kannst da zu zivilen Zeiten arbeiten (9-19 Uhr), ohne dass du da schräg angeschaut wirst, wenn du dann gehst. Je nach Erfahrung / Fachgebiet und Konjunktur gibt es aber natürlich Phasen, wo du dir potenziell ein Eigentor schießt, wenn du früh gehst, weil viel zu tun ist - Wenn du dann am Abend früh gehst, wartet halt mehr am Morgen auf dich… das ist letztlich wie überall. BLD ist keine klassische GK, wo abends jeden Tag noch viele Leute lange sitzen, von daher könnte das zu deinen Vorstellungen passen- Clyde, DLA, Heuking sind da wohl anders - zahlen grds. ja auch mehr … Welcher Standort / Region interessiert dich denn für VersicherungsR - Köln/Düsseldorf?Vielen lieben Dank für deinen Beitrag!
Tatsächlich interessiere ich mich eher für eine Tätigkeit im Osten: z.B. Dresden, Leipzig, Berlin, Erfurt, Magdeburg, Rostock. Das hat familiäre Gründe und die Lebenshaltungskosten sind idR geringer. BLD hätte auch einen Standort in Leipzig seit letztem Jahr.
Aktuell interessiere ich mich auch stärker für D&O Versicherungsfälle. Einerseits sind die Fälle spannend. Andererseits kann dort auch das Gehalt gut ansteigen (aktuell verdiene ich 85k und möchte das eigentlich halten oder verbessern). Da das Versicherungsrecht durchaus komplex sein kann, hab ich dort das Gefühl eine echte und wertvolle Expertise aufbauen zu können. In meiner aktuellen Stelle als RA habe ich sehr viele verschiedene Themen auf dem Tisch: Kindertagesstättenrecht, viel reines (!) Kirchenrecht (Codex Iuris Canonici, Partikularrecht), Kommunalrecht, Mietverträge, Gesellschaftsrecht, Krankenhausrecht, Hochschulrecht, EU-Beihilfenrecht usw. Gefühlt sind wir eine Feld-Wiesen Kanzlei für öffentlich-rechtliche Auftraggeber (Städte, Bistümer, usw.) und nehmen jeden Auftrag an. Daher habe ich das Gefühl, mich jedes Mal von 0 in etwas einarbeiten zu müssen. Da ich perspektivisch den Bonus zum Dezember mitnehmen will, würde ich voraussichtlich frühestens nächstes Jahr wechseln.
Gleichzeitig ist mir 19 Uhr Schluss machen (spätestens!) wichtig. Klar hatte ich auch schon Tage bis 22 Uhr bei meinem aktuellen Arbeitgeber, aber eher die Ausnahme. Entscheidend ist dabei die Erwartungshaltung der Vorgesetzten, ob diese ein Arbeiten bis 19 Uhr oder länger erwarten. Gerne würde ich lieber 8 Uhr anfange und dann "schon" 18 Uhr Schluss machen, ggf. noch früher, da nur kurze Mittagspause. Um effizient und schnell zu sein, muss ich aber eine Expertise aufbauen und kann nicht jedes Mal bei 0 anfangen (zumal meine Vorgesetzten viel zu oft selbst sich in den angenommenen Aufträgen nicht auskennen und ich mich "mal schlau machen" oder "einarbeiten" soll. Das führt dazu, dass ich keine Orientierung bekomme und wirklich bei 0 starte. Dann schieben sie die ganze Verantwortung auf mich "Da sind wir uns jetzt sicher, ja? Dass das so ist?". Das lass ich aber mit mir auch nicht machen und sage, dass ich mich im Rechtsgebiet nicht auskenne und mich erstmalig eingearbeitet habe. - Das ist aktuell mein Frust.
Ehrlicherweise ist mir das Rechtsgebiet egal (nur kein Kirchenrecht, weil ich nicht christlich bin). Hauptsache man kann 85k+ Geld verdienen, hat vernünftige Arbeitszeiten und kann eine echte Expertise aufbauen (Gefühl von Mehrwert für Mandanten, Rechtfertigung Stundensatz). Das sehe ich im Versicherungsrecht. Gleichzeitig reizen mich Gerichtsprozesse mit Zeugen- und Sachverständigenbefragung. Andererseits bedeuten Gerichtsprozesse auch ständig strenge Fristen, die einzuhalten sind und Gerichtstermine (viel herumfahren) (aktuell bin ich im eher im Kautelarbereich unterwegs).
Ich könnte mir auch Insolvenzrecht, ggf. auch Insolvenzstrafrecht vorstellen. Am liebsten hätte ich ein Rechtsgebiet, mit dem ich mich gut selbstständig machen kann. Das sehe ich auch im Versicherungsrecht (ggf. Wechsel auf VN-Seite).
Alles Überlegungen ins Unreine. Mal schauen, wie sich alles entwickelt.
29.04.2026, 21:29
(29.04.2026, 19:55)medoLAW schrieb:(25.04.2026, 23:47)Sir Wilfrid Robarts schrieb: Ich kann das, was Ceylon geschrieben hat für BLD aus meinem Freundes-/Bekanntenkreis bestätigen. Vieles hängt konkret wie wahrscheinlich überall von Standort / Partner / Fachgebiet / eigener Erfahrung/ Ambitionen / Konjunktur ab. Du kannst da zu zivilen Zeiten arbeiten (9-19 Uhr), ohne dass du da schräg angeschaut wirst, wenn du dann gehst. Je nach Erfahrung / Fachgebiet und Konjunktur gibt es aber natürlich Phasen, wo du dir potenziell ein Eigentor schießt, wenn du früh gehst, weil viel zu tun ist - Wenn du dann am Abend früh gehst, wartet halt mehr am Morgen auf dich… das ist letztlich wie überall. BLD ist keine klassische GK, wo abends jeden Tag noch viele Leute lange sitzen, von daher könnte das zu deinen Vorstellungen passen- Clyde, DLA, Heuking sind da wohl anders - zahlen grds. ja auch mehr … Welcher Standort / Region interessiert dich denn für VersicherungsR - Köln/Düsseldorf?Vielen lieben Dank für deinen Beitrag!
Tatsächlich interessiere ich mich eher für eine Tätigkeit im Osten: z.B. Dresden, Leipzig, Berlin, Erfurt, Magdeburg, Rostock. Das hat familiäre Gründe und die Lebenshaltungskosten sind idR geringer. BLD hätte auch einen Standort in Leipzig seit letztem Jahr.
Aktuell interessiere ich mich auch stärker für D&O Versicherungsfälle. Einerseits sind die Fälle spannend. Andererseits kann dort auch das Gehalt gut ansteigen (aktuell verdiene ich 85k und möchte das eigentlich halten oder verbessern). Da das Versicherungsrecht durchaus komplex sein kann, hab ich dort das Gefühl eine echte und wertvolle Expertise aufbauen zu können. In meiner aktuellen Stelle als RA habe ich sehr viele verschiedene Themen auf dem Tisch: Kindertagesstättenrecht, viel reines (!) Kirchenrecht (Codex Iuris Canonici, Partikularrecht), Kommunalrecht, Mietverträge, Gesellschaftsrecht, Krankenhausrecht, Hochschulrecht, EU-Beihilfenrecht usw. Gefühlt sind wir eine Feld-Wiesen Kanzlei für öffentlich-rechtliche Auftraggeber (Städte, Bistümer, usw.) und nehmen jeden Auftrag an. Daher habe ich das Gefühl, mich jedes Mal von 0 in etwas einarbeiten zu müssen. Da ich perspektivisch den Bonus zum Dezember mitnehmen will, würde ich voraussichtlich frühestens nächstes Jahr wechseln.
Gleichzeitig ist mir 19 Uhr Schluss machen (spätestens!) wichtig. Klar hatte ich auch schon Tage bis 22 Uhr bei meinem aktuellen Arbeitgeber, aber eher die Ausnahme. Entscheidend ist dabei die Erwartungshaltung der Vorgesetzten, ob diese ein Arbeiten bis 19 Uhr oder länger erwarten. Gerne würde ich lieber 8 Uhr anfange und dann "schon" 18 Uhr Schluss machen, ggf. noch früher, da nur kurze Mittagspause. Um effizient und schnell zu sein, muss ich aber eine Expertise aufbauen und kann nicht jedes Mal bei 0 anfangen (zumal meine Vorgesetzten viel zu oft selbst sich in den angenommenen Aufträgen nicht auskennen und ich mich "mal schlau machen" oder "einarbeiten" soll. Das führt dazu, dass ich keine Orientierung bekomme und wirklich bei 0 starte. Dann schieben sie die ganze Verantwortung auf mich "Da sind wir uns jetzt sicher, ja? Dass das so ist?". Das lass ich aber mit mir auch nicht machen und sage, dass ich mich im Rechtsgebiet nicht auskenne und mich erstmalig eingearbeitet habe. - Das ist aktuell mein Frust.
Ehrlicherweise ist mir das Rechtsgebiet egal (nur kein Kirchenrecht, weil ich nicht christlich bin). Hauptsache man kann 85k+ Geld verdienen, hat vernünftige Arbeitszeiten und kann eine echte Expertise aufbauen (Gefühl von Mehrwert für Mandanten, Rechtfertigung Stundensatz). Das sehe ich im Versicherungsrecht. Gleichzeitig reizen mich Gerichtsprozesse mit Zeugen- und Sachverständigenbefragung. Andererseits bedeuten Gerichtsprozesse auch ständig strenge Fristen, die einzuhalten sind und Gerichtstermine (viel herumfahren) (aktuell bin ich im eher im Kautelarbereich unterwegs).
Ich könnte mir auch Insolvenzrecht, ggf. auch Insolvenzstrafrecht vorstellen. Am liebsten hätte ich ein Rechtsgebiet, mit dem ich mich gut selbstständig machen kann. Das sehe ich auch im Versicherungsrecht (ggf. Wechsel auf VN-Seite).
Alles Überlegungen ins Unreine. Mal schauen, wie sich alles entwickelt.
Dann kannst du das ja einfach mal probieren, wer da in der Ecke sonst noch gut im VersicherungsR ist weiß ich leider nicht.
Genau, es gibt da den Leipziger Standort, angeblich in Uni Nähe, weiß allerdings nicht, wer da vor Ort arbeitet. Mein Verständnis aus der Ferne war, dass der zumindest am Anfang von Anwälten aus Berlin „mitbespielt“ wird, bis der sich entwickelt. Keine Ahnung ob da wer in Leipzig D&O macht. Gibt aber wohl auch Leute, die z.B dann zur Einarbeitung im Rechtsgebiet und Kennenlernen Team an den Standort gehen, wo der Rest sitzt und dann nach ein paar Wochen halt da wo sie sonst gern arbeiten wollen.
Kenne in punkto Arbeitszeit jedenfalls Leute, die da z.B auch früh morgens anfangen, wenn die Kinder haben oder einfach so der Typ dafür sind und dann halt früher gehen (7-17 Uhr) oder sowas.
Gehaltstechnisch weiß nicht, was die da zahlen, gelten aber nicht als großzügig in dieser Hinsicht, würde aber vermuten, dass das für einen Berufseinsteiger je nach Qualifikation, die ja bei dir gut ist, so um den Dreh ist und jedenfalls nicht viel niedriger.
Normale Gerichtsverfahren im Bereich VersR sind ja meist gut planbar, die meisten Fristen verlängerbar und wird wenn’s nur um Rechtsfragen geht mittlerweile im VersR ja auch gern und viel per 128a gemacht und selbst wenn nicht, wenns nichts besonderes ist, auch nicht notwendiger Weise von einem selbst,… also alles machbar und nicht notwendiger Weise stressiger, als reine Beratung.



